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Die Liebe, der Krieg und die Kunst

Käthe Kollwitz von Y. Schymura, BuchumschlagVon Thomas Michael, Stuttgart

Am 19. Oktober fand im Stuttgarter Haus der Heimat ein Vortrag über Leben und Wirken der Künstlerin Käthe Kollwitz (1867-1945) statt. Rednerin war die Autorin des titelgebenden Buches, Dr. Yvonne Schymura.

In dem einstündigen Vortrag, dessen Tonverstärkung im Raum leider ungünstig war, beschrieb die Historikerin Kollwitz‘ Weg durch die Hindernisse, die ihr als Frau nach den damaligen Gepflogenheiten den Weg zur bildenden Kunst erschwerten. Auf dem Programmblatt steht:

Die Grafikerin, Malerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz wurde vor 150 Jahren in Königsberg geboren. Sie gehört fraglos zu den bekanntesten deutschen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Die Künstlerin führte ein Leben gegen alle Widerstände. Dass sie als Tochter einer bürgerlichen Familie überhaupt eine Ausbildung erhielt, war ungewöhnlich. Noch weniger gewöhnlich war, dass es ihr gelang, Berufung und Familie zu vereinen. Sie hatte ein außergewöhnliches Talent und einen eisernen Willen. Sie liebte das Leben und wollte es mit allen Mitteln ausschöpfen. Es war auf das Engste mit der deutschen Geschichte und ihren Katastrophen verknüpft, und so folgte ihrem Aufstieg als Künstlerin der Sturz in das Bodenlose.

Schymura las auch mehrere Passagen aus ihrem Buch vor. So wurde Kollwitz für eines ihrer Kunstwerke eine Goldmedaille in Aussicht gestellt, doch der Kaiser Wilhelm II beschied das Ansinnen abschlägig, weil „Medaillen an die Brust verdienter Männer gehören“ (oder ähnlich). Der Kriegstod ihres Sohnes im Oktober 1914 in der ersten Flandernschlacht bei Dixmuiden veranlasste Kollwitz, ihm ihre Skulptur „Trauerndes Elternpaar“ zu widmen. Sie steht auf der Kriegsgräberstätte Vladslo in Belgien, wo Peter beigesetzt ist.

Zum Schluss beantwortete die Referentin zahlreiche Fragen von Zuhörern.„Trauerndes Elternpaar“ von Käthe Kollwitz auf dem Soldatenfriedhof von Vladslo„Trauerndes Elternpaar“ von Käthe Kollwitz auf dem Soldatenfriedhof von Vladslo

Info:

Käthe Kollwitz wurde am 8. Juli 1867 in Königsberg (heute Kaliningrad) als Tochter von des Maurermeisters und Predigers Carls Schmidt und dessen Ehefrau Katharina geboren. In ihrer Geburtsstadt bekam sie auch Zeichenunterricht. Die Malerei studierte die junge Frau bei Karl Stauffer-Bern in Berlin und bei Ludwig Herterich in München. 1891 heiratete die Künstlerin den Mediziner Karl Kollwitz und zog mit ihm nach Berlin. Das Paar bekam zwei Söhne. Ihre ersten drei Kunstwerke zeigte Käthe Kollwitz 1895 ebenso in Berlin, an der „Freien Kunstausstellung“. Drei Jahre später wurde das künstlerische Multitalent in die „Berliner Secession“ aufgenommen und unterrichtete später an der Künstlerinnenschule. 1904 zog Kollwitz für ein Jahr nach Paris und besuchte dort die Plastikklasse an der Académie Julian, wo sie auch Kontakt zu Auguste Rodin und Théophile Alexandere Steinlen bekommen hatte. Zurück in Deutschland, entwarf die Künstlerin unter anderem ein Plakat für die Deutsche Heimarbeit-Ausstellung. Doch der Kaiserin Auguste Viktoria missfiel Kollwitz´ Darstellung einer überarbeiteten Werktätigen, sodass die Gemahlin Wilhelms II das Plakat von den Werbesäulen entfernen ließ. Dennoch wurde 1917 in Deutschland Kollwitz´ 50. Geburtstag mit zahlreichen Ausstellungen groß gefeiert. Zwei Jahre später wurde sie als erste Frau in die Preußische Akademie der Künste aufgenommen und bekam den Professorentitel verliehen. 1928 übernahm die mittlerweile bekannte und geehrte Künstlerin, die aktiv gegen der Krieg kämpfte, die Leitung des Meisterateliers für Graphik an der Akademie der Künste in Berlin.

Nach der Machtübernahme der Nazis in Deutschland 1933 wurde Kollwitz zum Austritt aus der Preußischen Akademie der Künste gezwungen, und sie bekam zudem ein Ausstellungsverbot. Trotzdem schaffte sie es, ihren letzten Zyklus „Vom Tode“ fertigzustellen. Am 19. Juli starb ihr Ehemann. Am 22. September 1942 fiel noch ihr Enkel Peter während des Zweiten Weltkrieges in Russland. Ihren Schmerz verarbeitete die Künstlerin mit der Lithographie „Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden.“

1943 musste Kollwitz Berlin verlassen, da ihre Unterkunft, in der sie seit 1891 lebte, durch Bomben zerstört wurde. Dabei wurden auch viele ihre Werke vernichtet. Sie zog nach Nordhausen zu der Bildhauerin Margret Böning. Kurz vor Kriegsende zog sie nochmals um, diesmal nach Moritzburg in Sachsen. Dort starb sie am 22. April 1945.

Foto: © Wikipedia / Gemeinfrei

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