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Europäischer Kultursommer in Fellbach: Glanzvoller Auftakt im vollen Saal

Finnische Frauenformation KetsuratFinnische Frauenformation KetsuratVon Thomas Michael, Stuttgart

Am Freitag 18. Juli wurde in der Alten Kelter zu Fellbach bei Stuttgart der diesjährige Europäische Kultursommer eröffnet. Gastländer des diesjährigen Festivals sind Finnland und Estland. Ungeachtet der großen Hitze war am Eingang dichtes Gedränge, der Saal war voll.

Zur Einstimmung sang die finnische Frauenformation Ketsurat die finnische Nationalhymne, begleitet auf drei kanteleartigen, jedoch ähnlich wie Gitarren gehaltenen und gespielten Instrumenten. Fellbachs Oberbürgermeister Christoph Palm war der erste Festredner, der sich öffentlich bei den an der Vorbereitung aktiv Beteiligten, insbesondere aber dem Kulturamt, bedankte. Applaus erhielt er, als er Fellbach nicht nur als Stadt der - sinngemäß - "trockenen Wirtschaftskongresse", sondern auch als Kulturstadt hervorhob, und ein zweites Mal, als er sich dafür einsetzte, Zuflucht Suchenden die Hilfe nicht zu verweigern. Nach der langen, mit viel Applaus bedachten Rede war das estnische Celloquartett C-JAM an der Reihe, das nach ihrem grandiosen, im Presto furioso-Stil gehaltenen Auftritt - sie können eigenen Worten zufolge sogar Hardrock spielen - ziemlich geschwitzt haben muss.

Der Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, Jürgen Walter, der mit Palm auf Du steht, war als Zweiter Redner an der Reihe. "Und wenn du beim nächsten Kultursommer wieder so warmes Wetter mitbringst, kann ich die Jacke auch wieder zu Hause lassen" (oder ähnlich). Danach kamen die Ketsurat wieder, in deren Repertoire sich auch ein im Joik-Stil (der Joik ist eine uralte lappländische Gesangsform, die durch ihren harten Stimmton auffällt) gehaltenes Stück befand. Die in Englisch gehaltene Rede des Staatssekretärs im finnischen Ministerium für Bildung und Kultur, Kari Anttila, litt unter dem finnischen Akzent, der die akustische Verständlichkeit sehr in Mitleidenschaft zog. Der ranghöchste Staatsgast des Abends war die Kulturministerin der Republik Estland Urve Tiidus, die gleich zu Anfang sagte, dass sie sich kurz halten wolle - ein Versprechen, das sie auch einlöste. Was nicht kürzer ausfiel, war der Applaus.Estnische Kultusministerin Urve TiidusEstnische Kultusministerin Urve Tiidus

Unter den Künstlern fiel das estnische Gesangssextett Heinavanker (Heuwagen) auf, dessen Auftritt unauffällig im Saal begann, von wo sie singend langsam auf die Bühne zugingen. Die Gruppe hat sich auf geistliche Musik und "archaische Gesänge, auch Runenlieder genannt" (Zitat Programmheft) spezialisiert, was die Vielzahl kurzer, melodiegleicher Verse erklärt. Die beiden Frauen des Sextettes gingen in einem Lied singend durch den Saal, während die Männer auf der Bühne blieben, und gaben dem Lied so einen richtig kirchenartigen Charakter.

In der Pause stärkten die Gäste sich mit Kleingebäck und schwäbischen Fellbacher Wein, für dessen Spende sich Palm bei den örtlichen Weingärtnern besonders bedankt hatte. Die Ketsurat riefen singend die Gäste in den Saal zurück, bevor das finnische Straßentheater Minimi - zwei Akteure und ein Saxophonist - die Lachmuskeln der Zuschauer in Trab hielt. Mit zirkus- und pantomimeartigen Einlagen, Bär, Elch und Sauna ging es richtig finnisch zu. Zuletzt war das finnische Mundharmonikaquartett Sväng an der Reihe. Die Bassharmonika fiel durch ihre Größe auf, eines der drei übrigen Instrumente hätte man bei flüchtigem Hinsehen für ein elektronisches Messinstrument halten können. Einer der vier Musiker erzälte, dass er sein Instrument (deutschen Fabrikates) umgestimmt habe, um es an die finnischen Molltonart-Präferenzen anzupassen.

Es war ein gelungener Auftakt mit viel Applaus für die Künstler, und bis das Fest aus war, hatte es auch draußen für den Heimweg der Gäste angenehm abgekühlt. Das Festival mit Musik, Literatur, Ausstellungen, Kino und auch Kinderprogramm läuft noch bis Ende September. Weitere Informationen im Internet: www.kultursommer-fellbach.de

Fotos: © Thomas Michael

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