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Queer: Riesiger Besitz der katholischen Kirche an Luxusimmobilien

KruzifixKruzifixVon Norbert Blech

Wer bei Abercrombie & Fitch einkauft, unterstützt indirekt die katholische Kirche. Wie die Boulevardzeitung "Express" herausfand, hat die bei Schwulen beliebte und zugleich umstrittene Marke in Düsseldorf ein Ladenlokal in einem Gebäude angemietet, das der Kirche gehört.

Wie bei Abercrombie & Fitch üblich, erkennt man das Geschäft auf der noblen Königsallee an dem Duft, der gelegentlich an die Aromen einer Schwulensauna erinnert. Und man erkennt den Sitz derzeit an einem homoerotischen Wandgemälde im Eingang sowie tagsüber an den üblichen männlichen Begrüßern ohne T-Shirt. Kein anderes Nicht-Szene-Unternehmen setzt derart auf einen "schwulen" Look.

Umso überraschender also der Eigentümer des Hauses: Die Aachener Grundvermögen Kapitalanlagengesellschaft, ein Fonds im Besitz mehrerer katholischer Bistümer, darunter das Bistum Köln unter dem erzkonservativen Kardinal Meisner, der sich immer wieder mit Äußerungen gegen Schwule und Lesben einen Namen machte und dem schwulen Theologen David Berger die Lehrerlaubnis entzog.

Vermögen von fast 5 Milliarden Euro

Nach Angaben des "Express" gehören der Aachener Grundvermögen auf der Düsseldorfer Kö noch die Nobel-Immobilien, in denen Esprit, H&M und Giorgio Armani untergebracht sind. Dazu kommen noch das Gebäude von C&A auf der Schadowstraße, die Herbergen von Madonna (!) und Tamaris an der Flingerstraße sowie zwei Wohngebäude und ein vermietetes Altenheim.

Allein diese Immobilien in der NRW-Landeshauptstadt, in den letzten sechs Jahren von der Kirche erworben, kommen laut "Express" auf einen Verkehrswert von rund 220,5 Millionen Euro.

In Köln gehört der Kirche zudem unter anderem das C&A-Gebäude auf der Schildergasse, in Bonn laut "Express" gleich sieben Immobilien auf der Einkaufmeile Sternstraße (16,5 Millionen Euro) sowie der Sitz von Karstadt (28 Millionen). Derzeit verwaltet die Aachener Grundvermögen rund 350 erstklassige Objekte in Einkaufslagen, das Fondsvermögen beläuft sich auf 4,6 Milliarden Euro. Privaten Anlegern steht der Fonds nicht offen. Gesellschafter sind der Erzbischöfliche Stuhl zu Köln (41,5 Prozent) sowie die Erzbistümer und Bistümer Paderborn, Trier, Münster, Essen und Aachen.

Vermögensoptimierung mit Staatsgeldern
Der "Express"-Bericht dürfte nach dem Aufschrei über die Luxusbauten des Limburger Bischofs Tebartz-van Elst erneut für Unmut in der Bevölkerung sorgen. Während in Gemeinden jeder Pfennig umgedreht wird und zu Spenden und Kollekten aufgerufen wird, scheint die Kirche recht intransparent über beinahe unendliche Reichtümer zu verfügen.

Dazu kommen die massiven staatlichen Subventionen – mehrere Milliarden Euro pro Jahr, die den Kirchen abseits der Kirchensteuer gewährt werden, aus den Mitteln aller Steuerzahler. "Die finanziellen Anforderungen an Kirche und Caritas wachsen", heißt es hingegen auf der Webseite der Aachener Grundvermögen. "Verfügbare Mittel müssen optimal angelegt werden."

Schwulensauna und A&F
Es ist nicht das erste Mal, dass die katholische Kirche wegen undurchsichtiger Immobiliengeschäfte in Kritik gerät. Während des Papst-Konklaves wurde etwa im März bekannt, dass dem Vatikan ein Großteil eines Gebäudes in Rom gehört, das auch die größte Schwulensauna Italiens beherbergt (queer.de berichtete). Umstritten war dabei auch eine Steuerbefreiung, die dem italienischen Staat rund vier Millionen Euro kostete.

Dabei geht die katholische Kirche nach wie vor gegen Homosexuelle vor: Wer in Deutschland bei einem Unternehmen der Kirche arbeitet, auch einem sozialen und staatlich geförderten wir der Caritas oder einem Kindergarten, und seine Homosexualität publik macht, muss mit Entlassung rechnen. Der katholische Buchhändler Weltbild, der viele kleine Buchhandlungen verdrängt, entfernt nach und nach Bücher mit homosexuellen Inhalten aus seinem Sortiment (queer.de berichtete).

Zu dem für 15 Jahre geschlossenen Mietvertrag mit Abercrombie & Fitch in Düsseldorf liest man hingegen auf der Webseite der Aachener Grundvermögen, das Unternehmen vertreibe "kultige Streetwear. Es handelt sich um ein speziell bei einem jungen Publikum sehr angesagtes Konzept."

Der Heilige Schein
Allerdings ist der heilige Schein der Firma ebenso angekratzt wie der der Kirche: Die Arbeitsbedingungen in den Zulieferfirmen sind heikel, selbst von Kinderarbeit ist die Rede. In Katalogen und Filialen setzte man lange nur auf weiße wie extremst durchtrainierte Jungs. Und zuletzt wurde bekannt, dass die Firma lieber ihre nicht verkaufte Ware verbrennt, anstatt sie (wie durchaus viele Firmen) an Obachlose zu verteilen. Grund: Ein befürchteter Imageschaden.

Der stellte sich dafür ein, als Berichte bekannt wurden, wonach der schwule A+F-Chef strenge Vorgaben für das Personal des Firmenjets hat: Die Jungs müssen in Flip-Flops, Boxershorts und Polo-Hemden sowie im Duft des Unternehmens antreten; knackig müssen sie sowieso sein. Insgesamt also eine abgehobene schwule Luxus-Exzentrik mit einem leicht diktatorischen wie unsozialen Touch – fast so, als hätte man das alles bei der katholischen Kirche gelernt.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von www.queer.de

Lesen Sie noch: Kölner Stadtanzeiger - Kirche investiert in 1A-Lagen

Symbolfoto: © Das Baltikum-Blatt / AWSiebert

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