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Russischer Spion Veitman in Estland verurteilt

Vladimir Veitman, der frühere Mitarbeiter der estnischen Sicherheitspolizei (Kaitsepolitsei / KaPo) wurde am 30. Oktober in Estland zu einem lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt und muss damit im Gefängnis bleiben. Er wurde im August verhaftet. Das Baltikum-Blatt berichtete.

Veitmann muss 15 Jahre im Gefängnis bleiben
Das Bezirkgericht Harju in Tallinn hat Veitman wegen Hochverrat und der Weitergabe von Geheiminformationen an Russland zu einer 15-jährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Es konnte bewiesen werden, dass der Ex-Beamte des Verfassungsschutzes vor seiner Pensionierung im Jahr 2011 vertrauliche Informationen gesammelt und an die Russen weiter geleitet hatte.

Vor seiner Übernahme in die estnische Sicherheitsbehörde arbeitete Veitman von 1980 bis 1991, also bis zu Zerfall der Sowjetunion und Wiederbildung der Republik Estland, bei der sowjetischen Geheimpolizei KGB, zuletzt als Leiter der operativtechnischen Abteilung. Er wurde dann von der neu gebildeten estnischen Sicherheitspolizei als Technikexperte übernommen. Damit war der sowjetische Ingenieur zuständig für alles, was mit dieser Technologie zusammenhängt: Mikrofone, Kameras und andere Verfolgungs- und Abhörgeräte. Veitman hatte bei der estnische Sicherheitsbehörde jedoch keinen führende Position inne.

Russlands Interesse an Baltikum
Der Generalstaatsanwalt Estlands, Norman Aas sagte nach dem Gerichtsprozess auf einer Pressekonferenz, dass mehrere Spionagefälle in Estland Russlands Interesse an den Geschehnissen im Baltikum beweisen.

Aas teilte mit, dass die zuständige Ermittlungsbehörde, die Sicherheitspolizei, ihre Aufklärungen im Fall Veitman schnell beenden konnte, weil sie schon vor der Festnahme des jetzt verurteilten Informanten die Behörde langjährige Gegenspionagearbeit geleistet hatte.

Veitman wurde von Nikolai Jermakov angeworben. Letzterer wurde 1948 in Tallinn geboren, hat russische Staatsangehörigkeit und lebt in Estland mit einer Aufenthaltsgenehmigung. Jermakov ist laut Ardo Sinisalu, Generaldirektor der Sicherheitspolizei, nicht ein Mitarbeiter des russischen Auslandsgeheimdienstes. Er ist ein Rentner, der früher für die sowjetische Staatssicherheit KGB gearbeitet hatte. Jermakov arbeitete während der sowjetischen Okkupation in Estland unter andrem als Radiooperator auf Schiffen. Sein Führungsoffizier war wiederum Valeri Zentsov. Sein Name wurde genannt schon 2009 als Herman Simm verhaftet wurde. Der ehemalige leitende Geheimnishüter im Verteidigungsministerium sitzt seit 2009 im Gefängnis wegen Spionage für die Russische Föderation. Auch er hat einen KGB-Hintergrund.

Keine 007-Geschichte
Der Informationsaustausch zwischen den Spionen kam auf altmodische Weise zustande: Veitman machte Notizen oder merkte sich einfach Dinge. Wenn sich die Agenten dann trafen, wurden die Angaben gesammelt weiter gegeben. Bei der russischen Spionagediensten wird laut Sinisalu das nächste Termin für eine weitere Zusammenkunft dann gleich bei diesem Beisammensein vereinbart.

Veitman traf Jermakov drei bis zu vier Mal im Jahr in Estland. Nur ein Mal haben die Männer sich in Dubrovnik (Kroatien) getroffen, das war im August 2007. An diesem Meeting nahm auch Valeri Zentsov teil. Jermakov befindet sich zur Zeit in St. Petersburg, er wurde noch nicht zu Fahndung ausgeschrieben. Zentsov soll in Moskau sein.

Großer Schaden für Estland
Veitman hat mit seiner Spionagetätigkeit für Estland einen Schaden in der Höhe von 65.520 Euro verursacht. Darüber hinaus hat er einige Geheimoperationen an die Russen verraten. Diesen Schaden materiell zu beziffern ist nicht möglich. Unter anderem teilte Veitmann den Russen mit, dass Hermann Simm von Sicherheitspolizei beobachtet wird. „Es ist uns jedoch gelungen zu verhindern, dass Simm unsere Verdächtigungen merkte, sonst wäre er von uns geflüchtet,“ erzählte Sinisalu auf der Pressekonferenz. Er brachte noch vor, dass die Sicherheitspolizei aktuell noch mehrere andere Personen im Visier hat und hat ihnen empfohlen sich selbst zu stellen.

Veitmans Motiv für sein Verrat war Geld. Laut Sinisalu hatte sein Ex-Mitarbeiter zwar persönliche Probleme im Dienst und Karriere, aber meistens machte den Veitman seine finanzielle Lage Sorge. So wollte er seine Geldprobleme mit Hochverrat lösen: „Er gab die Informationen weiter nicht wegen Ideologie, Nationalität oder früheren KGB-Zugehörigkeitssinn,“ betonte Chef der Sicherheitspolizei.

Veitman soll bei den estnischen Ermittlungsbehörden Kooperationsbereitschaft gezeigt haben. Staatsanwältin Inna Ombler meinte: „Ein Doppelleben zu führen kostet sehr viel Kraft, so konnte der Festgenommene sich bei den Befragungen psychologisch gesehen erleichtern.“

Bei der Veitman wurden 89.000 Euro Bargeld beschlagnahmt. Wozu er das Geld brauchte, ist ungewiss. Es ist durchaus möglich, dass ihm bewusst wurde, dass er sich direkt verdächtig machen kann, wenn er größere Summen in den Umlauf bringt,.

Lesen Sie noch: Frühere KGB-Agenten der estnischen Sicherheitspolizei

Quellen: Delfi, Eesti Päevaleht, Postimees / asie

Symbolfoto: © Das Baltikum-Blatt / AWSiebert

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