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Estland: Kleinbus auf der Ostsee ins Eis eingebrochen

Such nach Vermissten an der ÜnglücksstelleSuch nach Vermissten an der ÜnglücksstelleEin Kleinbus ist am 6. Februar während einer Fahrt auf der zugefrorenen Ostsee ins Eis eingebrochen. Die Tragödie ereignete sich direkt vor der Küste beim Hafen Munalaid (Gemeinde Tõstamaa). Das Eis war an der Unglücksstelle nur acht Zentimeter dick, das Wasser etwa drei Meter tief.

Zwei Menschen, eine 51-jährige Frau und ein 41-jähriger Mann aus der estnischen Stadtgemeinde Pärnu konnten mit einem Luftkissen-Rettungsboot aus dem eiskalten Wasser gerettet werden. Beide sind nicht in Lebensgefahr, die Frau hat das Krankenhaus schon verlassen.

Wie die Polizei bekannt gab, wurden drei weitere Insassen des Fahrzeugs tot aus der See geborgen, eine Person wird immer noch vermisst. In der Nähe der Einbruchsstelle fahren regelmäßig Fähren vorbei, dabei entstehen Strömungen und Wellen. So kann der nicht gefundene Insasse weit weg von der Unglücksort abgetrieben worden sein. Taucher Norman Talson erzählte, die Sicht sei auf dem Meeresgrund außerordentlich schlecht.

Die Reisegesellschaft, eine Frau und fünf Männer, wollten eine Verwandte auf der Insel Manija (Landkreis Pärnu, die Insel ist nur 4,5 Kilometer lang und 0,5 Kilometer breit) besuchen. Die Fahrt dorthin dauert mit der Fähre zehn Minuten.

Vor dem Unglück tankte der mutmaßlicher Buslenker unweit von Hafen das Fahrzeug voll. Der 28-Jähriger hatte viele Jahre in Finnland gearbeitet, genau so wie sein Vater, der sich ebenfalls im Unglücksbus befand. Erst vor kurzem war er nach Tõstamaa zurück gekommen, weil seine Tochter eingeschult wurde. Während der wahrscheinliche Fahrer tankte, kauften die Anderen, alle in fröhlicher Stimmung, an der Tankstelle noch Blumen, Piroggen und Schokolade. Der Verkäuferin wurde erzählt, dass sie unterwegs zu einer Geburtsfeier seien.Hafen Munalaid, im Hintergrund die Insel ManijaHafen Munalaid, im Hintergrund die Insel Manija

Anschließend fuhren die Geburtstagsgäste zum Hafen. Schon eingecheckt, stellten sie fest, dass die Fähre gar nicht nach Insel Manija fährt und verließen das Fährschiff wieder. Ortsansässige sahen, wie der Minibus plötzlich in Richtung See fuhr. „Wohin fährt ihr?“ schrie eine Hafenmitarbeiterin und lief dem Fahrzeug nach. Doch sie konnte der Minibus nicht mehr erreichen, wählte aber sofort die Notnummer und alarmierte die Rettungszentrale.

Als Nächstes konnten die Menschen an der Küste beobachten, wie das Fahrzeug auf die Eisdecke fuhr und sofort leicht einbrach. Doch statt zu bremsen und die Fahrt zu beenden, gab der Lenker noch mehr Gas. Eventuell dachte der Fahrer, dass das Eis weiter von der Küste besser hält oder er hatte auf dem Eis die Spuren eines Luftkissenfahrzeugs gesehen und gemeint, dass diese von einem Wagen stammten, mit dem jemand schon über das Eis gefahren war. Dies war jedoch eine fatale Fehleinschätzung der Situation seitens des Kleinbusfahrer.

Augenzeugen berichten, wie das Fahrzeug mit sechs Menschen an Bord langsam zu sinken begann. Die Rettung kam mit einem Luftkissenboot in binnen von 24 Minuten. Für einen Verunglückten ist das sehr lange Zeit im eiskalten Wasser. Und dennoch haben die zwei Geretteten noch Glück gehabt, denn das Luftkissenfahrzeug war am diesem Tag nur zufällig in Küstennähe. Ob der Fahrer betrunken war, wird noch bei den aufgenommenen Ermittlungen geklärt.Das Luftkissen-RettungsfahrzeugDas Luftkissen-Rettungsfahrzeug

Wenn der Rigaer Meerbusen gut zugefroren ist, fahren die Insulaner auch mit Autos über die nicht-offizielle Eisstraße. Dem Hafenkapitän Jaanus Jürivete zufolge wird das Personal oft gefragt, ob das Eis genug dick ist und bis Manija hält.

"Es ist ein sehr trauriger Tag. Dünnes Eis trägt bestenfalls eine leichtere Person, aber sicher kein Fahrzeug", sagte Andres Sinimeri von der Polizei in Kurstadt Pärnu. Wenn Eis mindestens 24 Zentimeter dick ist, werden in Estland sieben offizielle Eisstraßen zum Fahren freigegeben. Die bei Munalaid gehört eigentlich nicht dazu, wird aber beim kalten Winter, wenn Eis hält, befahren. (asie/wesie)

Quellen: Polizei, Delfi, Pärnu Postimees

Fotos: Polizei

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