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Estland: Gräber deutscher Soldaten in Tallinn gefunden

Soldatenfriehof in Tallinn, Maarjamäe (Marienberg)Soldatenfriehof in Tallinn, Maarjamäe (Marienberg)Bei Bauarbeiten für die Errichtung einer Gedenkstätte für die Opfer des Kommunismus sind am Dienstag (9. Januar) im Tallinner Stadtbezirk Maarjamäe (Marienberg) etwa 100 Gräber deutscher Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden. Darüber berichtet der estnische nationale Rundfunk ERR.

Die deutsche Kriegsgräberstätte befindet sich direkt hinter dem gigantischen sowjetischen Ehrenmal. Das 27.000 Quadratmeter große Gelände wurde durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gestaltet und am 12. September 1998 eingeweiht. Neben einem 5,50 Meter hohen Hochkreuz aus Stein befinden sich 24 liegende Schrifttafeln mit den Angaben der über 2.000 hier ruhenden deutschen Soldaten. Die Gräberfelder sind mit 25 Kreuzgruppen aus Naturstein kenntlich gemacht. Die Grenzen zum umliegenden Gelände sind offen, so dass sich die Kriegsgräberstätte harmonisch in die Landschaft einpasst.

Maarjamäe liegt im Stadtteil Pirita. Das Gebiet wurde früher Strietberg oder Streitberg genannt. Der Name stammt von einer mittelalterlichen Schlacht zwischen dem Deutschen Orden und russischen Truppen, die vor den Toren Tallinns stattfand.

Dem Direktor des estnischen Kriegsmuseums Arnold Unt zufolge handelt es sich hier aktuell entdecken Gräber um einen Teil des Maarjamäe-Grabfeldes, auf dem deutsche Gefallene beigesetzt worden sind. Die sterbliche Überreste der Soldaten werden nach der Obduktion voraussichtlich in dortigen, nahegelegenen deutschen Soldatenfriedhof umgebettet.

Die Wehrmacht okkupierte Estland im August 1941. Am 22. Juni hatte Adolf Hitler die Sowjetunion überfallen. Die kleinste baltische Republik stand nun als „Generalbezirk Estland“ im Rahmen des Reichskommissariats Ostland unter deutscher Zivilverwaltung. Wehrfähige Esten wurden eingezogen und kämpften in Einheiten der Waffen-SS, insbesondere in der 20. Waffen-Grenadier-Division mit der estnischen Nummer Eins. Die Besatzer verließen das Land 1944 wieder, um einer Einkesselung zu entgehen, als die Rote Armee einrückte und danach Estland erneut, wie schon 1940, annektierte.

1995 wurde ein Vertrag unterschrieben, in dem die estnische Regierung Deutschland erlaubte, auf eigene Kosten die deutschen Soldatengräber und -friedhöfe zu erhalten und zu pflegen. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. widmet sich im Auftrag der Bundesregierung dieser Aufgabe.

Die Deutsche Kriegsgräberfürsorge betreut die Friedhöfe in Ahtme, Jõhvi, Kohtla-Järve, Kudjape bei Kuressaare auf der Insel Saaremaa (Ösel), Narva, Pärnu, Rakvere und in Tallinn in Maarjamäe und Pirita. In Tartu, auf dem Friedhof Paulus, wurde der Memorialbau renoviert.

Im Zweiten Weltkrieg waren in Estland rund 35.000 deutsche Soldaten getötet worden.



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