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Estnischer Sicherheitsbeamter wegen Spionage in Russland verurteilt

Eston Kohver im Gerichtsaal in PskowEston Kohver im Gerichtsaal in PskowEin Gericht in der russischen Stadt Pskow (Estnisch: Pihkva) nahe der estnischen Grenze hat am Mittwoch (19. August) den estnischen Sicherheitsbeamten Eston Kohver wegen Spionage, rechtswidrigen Waffenbesitzes und illegalen Grenzübertritts zu 15 Jahren Lagerhaft verurteilt - Das Baltikum-Blatt berichtete.

Das offizielle Estland verurteilte das Urteil scharf und forderte Russland auf, den 44-Jährigen umgehend freizulassen. Das Außenministerium in Tallinn brachte vor, Moskau verletze mit der Verurteilung des Sicherheitsoffiziers internationales Recht.

Auch die Europäisches Union (EU) kritisierte den Schuldspruch. Die Außenbeauftragte der EU, Federica Mogherini, warf Moskau vor, dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB den Auftrag für die Entführung gegeben zu haben. Kohver wurde von estnischem Territorium gekidnappt und danach nach Moskau gebracht, wo er in dem berüchtigten Gefängnis Lefortowo festgehalten wurde. Später verweigerte die russische Justiz dem Esten sein Recht auf einen fairen Prozess.

Aus Estland verschleppt

Eston Kohver war vor fast einem Jahr in der Nähe des estnisch-russischen Grenzüberganges Luhamaa von unbekannten Russen unter Androhung von Waffengewalt von estnischem Territorium nach Russland verschleppt worden. Wie die Sicherheitspolizei KaPo (Kaitsepolitsei) bekannt gab, war ihr Beamter am 5. September 2014 im Grenzbereich unterwegs, um einen russischen Informanten zu treffen. Das von ihm mitgeführte Geld in Höhe von 5000 Euro war für seinen Kontaktmann bestimmt, der ihm Informationen über grenzüberschreitende Schmuggelgeschäfte liefern sollte. Es wird spekuliert, dass auch FSB-Männer an diesen illegalen Geschäften beteiligt waren und deswegen Kohver eine Falle stellten. Eine gemeinsame Untersuchung zu Entführung wurde von russischer Seite blockiert. Moskau stellte eilends fest, dass der Este illegal die russische Grenze überschritten habe, um seine Spioneauftrag erfüllen zu können. Als Beweise präsentierte FSB medienwirksam mehrere Gegenstände, die angeblich bei der Festnahme von Kohver sichergestellt worden waren, darunter eine Taurus-Pistole, zwei Handys sowie das konfiszierte Geld,.

Präsident Ilves sichert Unterstützung zu

Kohver nahm seine Verurteilung äußerlich ruhig auf. Nach der Verkündung des Schuldspruchs besuchte Estlands Präsident Toomas Hendrik Ilves seine Ehegattin und seine vier kleinen Kinder. „Für mich und für ganze Estland ist Eston Kohver weiterhin ein Offizier der Verfassungsschutzbehörde, der seinen Heimatland dient und sich jetzt in einer komplizierten Situation befindet,“ sagte das Staatsoberhaupt bei seinem Besuch. Ilves dankte der Ehefrau, dass sie ihren Mann mit ihrer Stärke, Gedanken und Hoffnung in der schwierigen Zeit unterstützt. „Von meiner Seite gebe ich Versprechen, dass der Staat für sie eintreten und alles tun wird, dass der Familienvater bald wieder bei seinen Angehörigen sein kann,“ betonte Ilves.Verschleppter Eston Kohver, begleitet von maskierten FSB-BeamtenVerschleppter Eston Kohver, begleitet von maskierten FSB-Beamten

Spekulationen über eine baldige Entlassung

Die estnische Tageszeitung Eesti Päevaleht sprach über den Fall Kohver mit dem russischen Militär- und Politikexperten Pawel Felgenhauer. Der Russe meinte, dass der estnische Sicherheitsbeamte bald, nachdem sich die Lage beruhigt hat, ausgetauscht wird. Doch Estland hat zur Zeit niemanden in Haft, der für Moskau interessant wäre. Eine Möglichkeit wäre jedoch, dass Kohver gegen Austausch von Wiktor But frei kommt. But wurde wegen Waffengeschäften in den USA zu 25 Jahren Haft verurteilt.

Felgenhauer bringt noch vor, dass die russischen Grenzgebiete vom FSB kontrolliert werden, genau so wie während der Sowjetzeit von KGB. Es ist davon auszugehen, dass die Tätigkeit von Kohver jemanden von der lokalen Geheimdienstabteilung des FSB ein Dorn im Auge war.

Der estnische Außenpolitikanalytiker Toomas Alatalu meint, Kohver wurde verschleppt, um einen größeren politischen Handel zu ermöglichen. Alatalu bringt vor, dass es Signale gibt, denen zufolge die ukrainische, nach Russland entführte Pilotin Nadia Sawtschenko frei kommen kann, wenn sich Kiew mit dem Bau einer Gasleitung nach der von Russland besetzten Schwarzmeer-Halbinsel Krim einverstanden erklärt. „Obwohl Estland klein ist, ist das Land Mitglied der westlichen Verteidigungsallianz NATO und EU. Die Entführung von Kohver wurde in der Zeit inszeniert als US-Präsident Barack Obama Estland besuchte und in Wales NATO-Gipfeltreffen statt fand. Es bedeutet, dass Kohver ein Element eines großen politischen Spiels ist,“ so Alatalu.

Moskau zeigte sich auch am Tag des Urteilsverkündung, genau so wie während des Kalten Krieges, von der westlichen Kritik unbeeindruckt. Neben Kohver und Sawtschenko sitzt noch der ukrainische Regisseur Oleg Senzow in Moskau im Haft. Der Staatsanwalt hat soeben für ihn eine 23-jährige Lagerhaft beantragt. Nächste Woche soll das Urteil gesprochen werden.

Fotos: © FSB/Presse/Screenshoot

 

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