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Die Republik Estland wird hundert Jahre alt

 Farben von EstlandDie Republik Estland feiert am 24. Februar ihren hundertsten Geburtstag. Die Jubiläumswoche wurde am 19. Februar in Tallinn festlich eröffnet. Am diesem Tag vor hundert Jahren tagte in der estnischen Hauptstadt unter der Adresse Tartu maantee 1 das Komitee für die Rettung Estlands (Eestimaa Päästekomitee – siehe Info), das gegründet worden war, um das Manifest zur Unabhängigkeit Estlands aufzusetzen.

Jetzt wird in ganz Estland, aber auch im Ausland, das Jubiläum des freies Staates mit zahlreichen Kulturveranstaltungen gefeiert. Laut Staatskanzlei werden es insgesamt 650 verschiedene Events sein. Das ganze Programm dazu finden Sie auf der Homepage www.ev100.ee.

Als erstes wurde in Tallinn, im Kino Solaris Apollo, das erste Werk „Von der Gründung des Landtags bis zur Regierung von Otto Tief“ aus der Buchserie „Hundert Jahre des estnischen Staats“ vorgestellt. Zusammengestellt ist die Chronologie von den Historikern Mart Laar und Toomas Hiio.

Das Buch „Von der Gründung des Landtags bis zur Regierung von Otto Tief“,Mart Laar und Toomas HiioDas Buch „Von der Gründung des Landtags bis zur Regierung von Otto Tief“,Mart Laar und Toomas Hiio

Am 20. Februar wurde der Geburtstag Estlands in Haapsalu gefeiert. Am Mittag war in der kleinen Kurstadt beim der Läuten der Kirchenglocken der Fahnenplatz geöffnet und die estnische Trikolore schwarz-blau-weiß gehisst worden. Danach überreichte Premierminister Jüri Ratas im Gesamtgymnasium von Läänemaa staatliche Kultur- und Wissenschaftsprämien. Am Anschluss der Feierlichkeiten gab es einen Empfang.

Haapsalu liegt an der Westküste Estlands und ist ähnlich wie die Nachbarstadt Pärnu ein Kurort mit mildem Klima. Wegen ihrer vielen Wasserläufe ist die Stadt auch als das „Venedig des Nordens“ bekannt. Der deutschbaltische Arzt Carl Abraham Hunnius entdeckte hier die heilende Wirkung des Schlamms und gründete 1825 sein erstes Sanatorium. So konnte sich die Stadt schnell als mondäner Kurort etablieren. Es wurden Häuser für Seebäder und Schlammheilstätten gebaut. Die russische Zarenfamilie Romanow (Estland war damals Gouvernement des russischen Zarenreiches) schätzte den Erholungsort, der früher wie heute besonders im Sommer viele estnische und ausländische Besucher anzieht. Der berühmte russische Komponist Pjotr Tschaikowski soll seine 6. Sinfonie in seinem Sommerhaus in Haapsalu geschrieben haben.

Haapsalu war die erste Stadt, in der die Esten versucht hatten, ihre Unabhängigkeit von Russland auszurufen. Noch vergeblich, der Kampf um die staatliche Souveränität ging noch einige Tage weiter. Doch die damaligen Ereignisse in Haapsalu spielten eine wichtige Rolle bei der späteren Unabhängigkeitserklärung.

Manifest zur Unabhägigkeit EstlandsManifest zur Unabhägigkeit Estlands

Info:

Das Komitee für die Rettung Estlands (Eestimaa Päästekomitee oder Eestimaa Päästmise Komitee) wurde am 19. Februar 1918 gegründet und war ein staatliches Organ Estlands. Es wurde mit einem Beschluss des Estnischen Landtages ins Leben gerufen. Estland war bis zur Oktoberrevolution 1917 ein Gouvernement des russischen Zarenreiches. Als der Revolutionsführer Wladimir Lenin in Russland Macht übernommen und den russische Sowjetstaat gegründet hatte, wollte die Armee des jungen kommunistischen Staates Estland unter ihre Kontrolle bringen. Doch gleichzeitig näherte sich die deutsche Armee mit dem gleichen Ziel. De facto stand Estland damals unter sowjetischen und deutschen Besatzung.

In dieser schwierigen politischen Situation wurde die ganze Macht im kleinsten baltischen Staat dem Komitee für die Rettung Estlands übertragen, das während der Okkupation nur konspirativ tätig sein konnte. Die Mitglieder der Komitee waren Konstantin Päts, Jüri Vilms und Konstantin Konik. Der erstgenannte wurde zum Vorsitzenden ernannt. Das Komitee erarbeitete das Unabhängigkeitsmanifest, dessen erste öffentliche Lesung am 23. Februar um 20 Uhr auf dem Balkon des Theaters Endla in Pärnu erfolgte. Die Grundsatzerklärung wurde den Stadtbewohnern und Soldaten der estnischen Bataillons von dem Landtagsabgeordneten Hugo Kuusner vorgetragen. Am 24. Februar wurde das Manifest dann in Tori und Viljandi, ein Tag später in Tallinn und Paide verkündet.

Am 24. Februar 1918 ernannte das Komitee die 13-köpfige zeitweilige Regierung, deren Premierminister Konstantin Päts wurde.

Weitere Informationen, auch in Englisch www.ev100.ee

Symbolfoto: © Das Baltikum-Blatt / AWSiebert

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