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Deutschland: Feindselig gegen Merkel

Deutsche Bundeskanzlerin Angela MerkelDeutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel

Die amtierende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am 22. September ihre Wahlkampftournee in München beendet. In der bayerischen Landeshauptstadt wollte sie neben Horst Seehofer Einigkeit mit der Schwesterpartei demonstrieren.

Doch so wie auf ihren vielen anderen Wahlveranstaltungen wurde Merkel auch auf dem Marienplatz bei ihren Reden von Pfeifkonzerten, lauten Schreien und Buhrufen gestört. Am diesem Freitag war die CDU-Chefin vor ihrer Ankunft in München bereits in Heppenheim (Hessen) und Ulm (Baden-Württemberg) gewesen, auch dort erwartete sie kein freundlicher Empfang.

Das brüllende Wahlvolk macht die Regierungschefin für die Flüchtlingswelle verantwortlich. Seehofer ist ihr zudem seit dem Anfang der Krise vor zwei Jahren immer wieder in den Rücken gefallen mit Bezeichnungen wie „in Deutschland regiert eine Herrschaft des Unrechtes“ oder mit beharrlichen Forderungen nach eine „Obergrenze“ für Flüchtlinge.

Über die Flüchtlingswelle bringt Merkel abermals ihren Wahlkampfspruch vor: „Das, was 2015 war, das darf, das soll und das wird sich auch nicht wiederholen. Wir haben aus den Ereignissen von damals gelernt.“ Damit geht sie einen Schritt auf ihren CSU-Amtskollegen zu. Seehofer redet in München über „zwölf gute Jahre mit Merkel für die Bundesrepublik“, als wären keine politische Differenzen in der Flüchtlingspolitik gegeben.

Doch die Sympathisanten der rechtspopulistischen Partei Alternative für Deutschland (AfD), die sich auch in München mit Mitgliedern der islamfeindlichen Bewegung Pegida und Linksautonomen auf dem zentralen Marienplatz gegen die Bundeskanzlerin verbündet haben, ließen die Bündnispartner gar nicht zu Wort kommen.

Man sieht Merkel an – leicht ist ihr der aktuelle Bundestagswahlkampf nicht gewesen. Zweimal wurden sogar Tomaten gegen sie geworfen: Als die Regierungschefin am 8. September in Wolgast in Vorpommern mit ihrem Wagen zu der Veranstaltungshalle fuhr, riefen die Anhänger der AfD gemeinsam mit Sympathisanten der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) „Hau ab!“ und bewarfen ihren Wagen mit dem rotem saftigen Gemüse. Die NPD wurde Anfang des Jahres von Bundesverfassungsgericht als „verfassungsfeindlich“ eingestuft. Bei einem Wahlkampfauftritt einige Tage zuvor in Heidelberg wurde die Bundeskanzlerin von Unbekannten sogar direkt mit Tomaten beworfen. Die Christdemokratin sei aber nicht direkt getroffen worden, sondern habe nur „einige kleine Spritzer“ abbekommen, erklärte die Polizei. Merkel reagierte auf die Tomatenattacke gelassen und reichte der Moderatorin ein Taschentuch.

Die CDU-Spitzenkandidatin ist in München besonnen geblieben: „Mit Pfeifen und Brüllen wird man die Zukunft Deutschlands freilich nicht gestalten“, sagt sie und bekommt dafür einen warmen langen Applaus von Menschen, die sich versammelt haben, um Merkels Rede zu hören. Doch an diesem späten Herbstabend mussten sie nur aggressive Provokationen von Menschen vernehmen, die gar nicht wussten, warum sie so hemmungslos schreien. Mit einer vorgebrachten Position kann man sich auseinandersetzen, wenn man diese angehört hat. Die Gegner der Bundeskanzlerin waren auf ihrer Wahlkampftour jedoch nur auf sich und ihre Wut konzentriert. (asie)

Archivfoto: © Das Baltikum-Blatt / AWSiebert

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