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Pulse of Europe in Stuttgart: Angst vor erstarkendem Rechtsextremismus

Pulse-Kundegebung vor dem Rathaus in StuttgartPulse-Kundegebung vor dem Rathaus in Stuttgartvon Thomas Michael

Pulse of Europe e.V. ist eine 2016 in Frankfurt am Main gegründete unabhängige Bürgerinitiative. Nach dem Brexit, und in einer Zeit, wo Nationalisten wie Geert Wilders in den Niederlanden oder Marine Le Pen in Frankreich die Europäische Union (EU) zu verlassen fordern, möchten die Teilnehmer den europäischen Gedanken und die Werte hörbar in Erinnerung rufen. Seit dem 7. April ist Pulse of Europe ein eingetragener Verein.

Seit einigen Monaten laufen nicht nur in der Gründungsstadt der Bewegung, sondern europaweit, somit auch in zahlreichen deutschen Städten, Kundgebungen pro Europa. Angesichts der laufenden Wahlen in Frankreich wurde auch „Frexit“ ein Thema, und dementsprechend wurde an die Erfolgsgeschichte der deutsch-französischen Freundschaft einnert: Aus Erzfeinden sind Freunde geworden.

Der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer hatte sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem aufrechten Europäer entwickelt. Der Christdemokrat wusste zu gut, dass für die Entwicklung und den Frieden Europas eine Allianz mit Frankreich notwendig ist. General Charles de Gaulle, gewählt zum Ministerpräsidenten, erwies sich trotz einiger anfänglicher Meinungsunterschiede mit den Deutschen ebenfalls als großer Europäer. Die zwei älteren Herren trafen sich zum ersten Mal am 14. September 1958 in de Gaulles privatem Landsitz Colombey-les-deux-Églises – eine große Ehre für Adenauer, weil der Franzose dies nie zuvor mit einem Politiker getan hatte und auch niemals danach mehr tat. Die Chemie zwischen den Beiden stimmte, und die alte Feindschaft zwischen den beiden Staaten konnte endgültig beendet werden. Die gigantische Last der deutsch-französischen Geschichte mit Kriegen, Konflikten und wechselseitigen Demütigungen war ab jetzt passé.

Die friedliche Zusammenführung Europas war ein Prozess, dessen Ende so kurz nach dem Krieg noch nicht geplant werden konnte. Nur das Ziel – eine Art Vereinigte Staaten von Europa. Das haben de Gaulle und Adenauer am 15. Februar 1962 bei einer weiteren Begegnung in Baden-Baden verstanden. Am 22. Januar 1963 unterschrieben die Politiker im Élysée-Palast in Paris die Freundschaftsverträge, umarmten sich und geben sich den „Bruderkuss“ - eine Geste, in der die Zeitgenossen ihre Sehnsucht nach einer nachhaltigen Aussöhnung von Deutschen und Franzosen ausgedrückt fanden. Wenn Marine Le Pen tatsächlich als neue Präsidentin in den Élysée-Palast einziehen sollte, so wird sie diesen seit Jahrzehnten herrschenden Frieden und die Freundschaft wieder zerstören.

An die Freude Europas

Die Kundgebung auf dem Marktplatz vor dem Rathaus in Stuttgart begann mit Beethovens Lied an die Freude, das als Hymne der EU gilt. Wie es der Zufall wollte, wurde gleichzeitig von den zeituhrgesteuerten Glocken des Rathauses das dasselbe Musikstück gespielt.

In verschiedenen Reden wurde aktuell die EU-Administration beleuchtet, denn darüber ist oft Kritik zu hören. In Brüssel bzw. in Straßburg arbeiten unter anderem Dolmetscher, die alle Sprachen der 27 Mitgliedstaaten beherrschen und in die anderen Sprachen übersetzen müssen. Ob es nicht sinnvoll wäre, sich auf eine gemeinsame Sprache zu einigen?

Nach den festgelegten Redebeiträgen wurde das Publikum ermutigt, sich selbst am Mikrofon über das Thema Europa zu äußern. Auf die schwere Arbeit der Dolmetscher verweisend, stellte ein Teilnehmer eine gefährliche Wortgleichheit zweier nahverwandter europäischer Sprachen vor: das Wort „hallitus“ steht im Finnischen für die Regierung, im Estnischen aber für den Schimmelpilz. Dies sorgte im Publikum für staunendes Gelächter.

Nach den Redebeiträgen formierten die Teilnehmer sich zur Tricolore (der Name der französischen Flagge), indem sich drei Gruppen mit blauen, weißen oder roten Papierbögen versahen. Das kleine Orchester stimmte daraufhin die Beethoven-Hymne nochmals an, und das Publikum sang je eine Strophe in Deutsch, Englisch und Französisch von dargereichten Liedblättern.

Foto: © Thomas Michael

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