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Oksana Morar: Es wäre ein soziales "Verbrechen" den Mund zu halten

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Oksana Morar aus LitauenOksana Morar aus LitauenWährend der CSD-Parade in Mannheim am 11. August haben wir die Litauerin Oksana Morar getroffen (Bericht dazu ist hier zu lesen) und sie gefragt, wie sie die Situation der Gleichgeschlechtlichen in ihren Heimat erlebt.

Sie wurden nach Mannheim eingeladen, um an der CSD-Parade teilzunehmen. Wie hat Ihnen die Parade gefallen, welche Erinnerungen haben Sie mit nach Hause genommen?

Es war für mich eine große Ehre nach Mannheim eingeladen zu werden. Ich hätte mir nie träumen können, dass die CSD-Parade so groß ist, dass so viele Menschen daran teilnehmen und sich aktiv an der Organisation beteiligen. Es war wirklich ein schönes Gemeinschaftsfest, das Gleichheit und Toleranz feierte. Ich war zudem angenehm überrascht, wie gut alles organisiert war: Diskussionsrunden, Rainbow Reception, Dyke Parade in Heidelberg und vieles mehr. Die Stadt Mannheim hat sich hervorragend um mich und alle anderen Gäste aus den Partnerschaftsstädten gekümmert. Ich habe viele nette, reizende Menschen aus der ganzen Welt getroffen und Freunde gefunden, mit denen ich auch in Zukunft in Kontakt bleibe.

Was meinen Sie, wie wichtig die internationale Zusammenarbeit zwischen den Regenbogen-Familien ist ?

Meines Erachtens ist eine internationale Kooperation sehr wichtig. Vor allem gibt eine enge Zusammenarbeit die Möglichkeit nicht nur andere Organisationen oder Menschen zu treffen, sondern auch von ihren Erfahrungen zu lernen. Zum Beispiel wie sie es geschafft haben, gesetzliche Veränderungen zu mehr Gleichheit in ihren Ländern durchzusetzen und damit die Gesellschaft toleranter zu gestalten. Der Zusammenhalt bietet zudem die Gelegenheit eine gemeinsame Plattform aufzubauen, das hilft wiederum bei der Problemen anerkennenden Gehör zu schaffen. So etwas ist sehr ermutigend und inspirierend. Man fühlt sich nicht mehr „ausgeschlossen“, auf sich allein gestellt. Es motiviert einen, wenn man nicht im Alleingang Probleme lösen muss, sondern von Freunden und Experten in anderen Ländern unterstützt wird. Das ist eine der wichtigsten Kräften, der einen vorantreibt.

Wie wir wissen, ist die Situation für Gleichgeschlechtliche in den baltischen Staaten nicht einfach. In Litauen gibt es zwar ein Antidiskriminierungsgesetz, doch in der Gesellschaft fehlt es bis heute die breite Akzeptanz. Wie fühlen Sie sich persönlich in Litauen?

Bei der Beantwortung dieser Frage muss man die Situation aus zwei verschiedenen Gesichtspunkten betrachten. Ich selbst bin sehr privilegiert, weil ich von intelligenten und toleranten Menschen in meinem Privatleben umgeben bin. Meine Eltern und Freunde haben mich immer unterstützt. Das ist vermutlich einer der Hauptgründe, warum ich „so mutig“ bin. Ich habe keine Angst mich zu outen und zu meiner sexuellen Orientierung zu stehen. Wenn wir über mein Leben im engeren Kreis sprechen, bin ich ein sehr glücklicher Mensch.

Aufgrund der rechtlichen Ungleichheit, sowie der geringen sozialen Akzeptanz und Toleranz in der Gesellschaft, gestaltet sich das Leben in Litauen im Allgemeinen jedoch oft schwierig und traurig. Ich spreche vor allem von den jungen Mitgliedern der LGBT-Gemeinschaft, denen es an Unterstützung und Ermutigung mangelt. Ich spreche auch über Alle, die in meinem Alter oder noch älter sind und immer noch wegen der Intoleranz gezwungen werden ein Doppelleben zu führen, ihre wahre Identität von ihren Familien und Freunden zu verbergen. Dieses ständiges Leben in Lüge und Angst macht aus dem Menschen eine weniger wertvolle Person. Die Tatsache, dass es keine gleichen Rechte für alle Menschen gibt, dass die offizielle Regierungsposition Dilettantismus ist, macht die Lage noch schwieriger. Das ist nicht zu akzeptieren, die Gesellschaft muss sich ändern.

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