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Die Redaktion des Baltikum-Blattes wünscht allen Leserinnen und Lesern frohe Osterfeiertage


Finnland: Staatspräsident Kekkonen vor 30 Jahren gestorben

 

Urho Kaeöva KekkonenVon Thomas Michael

Am 31. August jährte sich der Tod des legendären finnischen Staatspräsidenten Urho Kaleva Kekkonen zum 30. Mal. Der Politiker der konservativen Zentrumspartei (Keskustapuolue) war mit einem Vierteljahrhundert Amtszeit das weltweit am längsten amtierende Oberhaupt einer demokratisch wählenden Republik. Bis heute hat niemand diesen Rekord gebrochen. Als Staatschef führte Kekkonen die Neutralitätspolitik seines Vorgängers Juho Kusti Paasikivi fort, die als die Paasikivi-Kekkonen-Linie bekannt wurde.

Kekkonen war in seiner Heimat sehr beliebt, obwohl seine sogenannte Finnlandisierung im Westen nicht gut aufgenommen und viel belächelt wurde. Die westlichen Staaten warfen ihm vor, den Einfluss Russlands auf Finnland und dessen Politik hingenommen zu haben. Sie übersahen dabei aber, dass Kekkonen exzellent die diplomatische Kunst beherrschte, nach außen mit Moskau zu kuscheln, dabei aber die Interessen des eigenen Landes nie aus der Augen zu lassen, hat er doch Finnland nach schweren Winterkriegs- und Nachkriegszeiten zu Wohlstand und Stabilität verholfen. Wer heute den großen Finnen kritisiert, möge beachten, dass das skandinavische Land mit einer 1300 Kilometer langen Grenze zu Russland im Gegensatz zu Estland seine Unabhängigkeit erhalten konnte. Für den Landesvater war seine Sowjetpolitik ein tagtäglicher Eiertanz.

Kekkonen, geboren am 3. September 1900 im mittelfinnischen Dorf Pielavesi als Sohn eines Waldarbeiters, bekleidete das höchste Staatsamt vom 1. März 1956 bis 27. Oktober 1981. Zuvor bildete der promovierte Rechtswissenschaftler fünf Regierungen und bekleidete zudem in vielen weiteren Regierungen Ministerämter, erstmals 1936 im Ressort Justiz. Dem Parlament gehörte er zwanzig Jahre lang an und amtierte 1948-50 als Parlamentspräsident. Als Höhepunkt seiner Karriere galt die Gastgeberrolle bei der vierten Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) 1975 in der Helsinkier Finlandiahalle. Sein Amtsnachfolger, der Sozialdemokrat Mauno Koivisto, hatte ihn in einer spontanen Rundfunkrede am Todestag als „einen Erbauer des Friedens, einen großen Finnen“ gewürdigt.

Kekkonen war aber auch als erfolgreicher Sportler bekannt. 1924 wurde er Finnischer Meister im Standhochsprung, als 100-Meter-Läufer erreichte er eine beachtliche Bestzeit von elf Sekunden, und bis ins hohe Alter war er ein begeisterter Skilangläufer.

Auf seinem Lebensweg, sowohl sportlich als auch politisch, erhielt Kekkonen unzählige Auszeichnungen aus aller Welt. Die internationale Achtung, die er genossen hatte, zeigte sich auch an der Anteilnahme an den Trauerfeierlichkeiten. Eine Woche nach seinem Tod, am 7. September 1986, reisten Staatsgäste aus vierzig Ländern zum Trauergottesdienst in den Helsinkier Dom (Tuomiokirkko) an, und entlang der Marschroute des Leichenzuges durch die Innenstadt zum Friedhof Hietaniemi (deutsch „Sand-Landzunge“) kamen 40.000 Menschen zusammen (Helsinki zählte damals eine halbe Million Einwohner). Rundfunk und Fernsehen übertrugen den Gottesdienst und den Trauerzug durchgehend landesweit direkt. Bezeichnend war, dass die Organisatoren der Zeremonie auf das übliche Böllerfeuer verzichteten, obwohl Kekkonen von Amtes wegen auch Oberbefehlshaber der Armee war. Stattdessen schlugen während der gesamten Fahrt des Trauerzuges alle Kirchenglocken der finnischen Haupstadt*.

Die größte Tageszeitung des Landes, die Helsingin Sanomat, präsentierte tags darauf eine siebenseitige, bilderreiche Sonderbeilage mit der Überschrift „UKK lähtee“ („UKK geht“; UKK ist Kekkonens landesweit bekanntes Namenskürzel). Sein repräsentativer Wohnsitz Tamminiemi (deutsch „Eichen-Landzunge“) im westlich gelegenen Helsinkier Stadtteil Meilahti http://www.kansallismuseo.fi/en/tamminiemi ist heute ein Museum. Vor Kekkonen haben schon zwei seiner Amtsvorgänger, Risto Ryti und Marschall Gustaf Mannerheim dort gewohnt. Die noble Villa wurde in den sechziger Jahren durch sogenannte Kinderempfänge bekannt, als Kekkonen begabte Kinder und Jugendliche in das Landhaus einlud.

Die Finnen liebten aber nicht nur ihren Staatspräsidenten, sondern auch dessen weltmännische und intelligente Ehefrau Sylvi Salome Kekkonen (geborene Uino, 1900-1974), die ihm trotz ihres Rheumaleidens bis zu ihrem Tode als kluge Beraterin zur Seite stand. Das Paar hatte zwei Kinder – die 1928 geborenen Zwillingssöhne Matti Kaleva (1928-2013) und Taneli Kaleva (1928-1985).

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* In Finnland werden Kirchenglocken im allgemeinen nicht schwingend geläutet sondern still hängend angeschlagen, ungefähr wie man es hierzulande vom Zeitschlag kennt

Foto: Autor unbekannt / Wikipedia

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