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Bertelsmann-Stiftung und Warschauer Institute of Public Affairs führten Stresstest für deutsch-russische Beziehungen durch

Russlands Präsident Wladimir Putin durch die Augen des Künstlers Maxim WakultschikRusslands Präsident Wladimir Putin durch die Augen des Künstlers Maxim WakultschikDie Mehrheit der Deutschen (64 Prozent) hält Russland unter dem Präsidenten Wladimir Putin nicht für einen international zuverlässigen Partner. Nur noch eine Minderheit von 18 Prozent erachtet die deutsch-russischen Beziehungen als gut, so das Ergebnis einer neuen Umfrage.

Das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid führte die repräsentative Umfrage im März 2016 im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung und des Warschauer Institute of Public Affairs durch. Dort wurde festgestellt, dass die schlechten Umfragewerte für den Kreml-Chef keine signifikanten Auswirkungen auf das allgemeine Russlandbild der Deutschen haben: rund zwei Drittel der Deutschen akzeptieren Russen, die sich in Deutschland dauerhaft niederlassen möchten (61 Prozent; 2013: 59 Prozent), Russen als Kollegen (69 Prozent; 2013: 65 Prozent) oder nächsten Nachbarn (65 Prozent; 2013: 60 Prozent).

Gleichwohl ist auch zu beobachten, dass Befragte, die Putins Reich eher misstrauisch gegenüber stehen, ihre Einstellung auch auf die russische Bevölkerung übertragen und gerade bei engeren Beziehungen (Freundschaft, familiäre Verbindung mit russischen Schwiegerkindern) zurückhaltender votieren.

„Russland unter Putin hat zwar bei den Deutschen massiv an Zuspruch verloren, aber das gilt nicht für die Russen an sich. Die Akzeptanz der Russen in bestimmten sozialen Rollen wie unter Kollegen oder Nachbarn hat nicht gelitten,“ erklärt der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann-Stiftung Aart De Geus.

Die enge Verbundenheit der deutschen Energiewirtschaft mit Russland halten 55 Prozent der Befragten für eher negativ (43 Prozent) beziehungsweise sehr negativ (12 Prozent). Auch das militärische Eingreifen Russlands in Syrien wird von der Mehrheit der befragten Deutschen (66 Prozent) kritisiert.

Die Politik der Bundesregierung gegenüber Russland im Hinblick auf den russisch-ukrainischen Konflikt hält fast die Hälfte (44 Prozent) der Befragten für angemessen. Dementsprechend befürwortet fast die Hälfte (46 Prozent; 2013: 44 Prozent) die Aufrechterhaltung der gegen Russland verhängten Wirtschaftssanktionen. Allerdings sind nur noch 16 Prozent (2013: 23 Prozent) der Befragten für eine weitere Verschärfung der Sanktionen, gut ein Viertel (27 Prozent; 2013: 23 Prozent) ist für eine Milderung.

Deutsche wünschen Kooperation innerhalb der Europäischen Union

Aus Sicht der Deutschen stellt Russland keine militärische Bedrohung für Deutschland dar (2015: 51 Prozent; 2016: 56 Prozent). Dies ist einer der Gründe, dass fast die Hälfte (49 Prozent) der Bevölkerung in der Bundesrepublik die Stationierung einer permanenten NATO-Mission in Polen oder den baltischen Staaten nicht befürworten, wiewohl immerhin 40 Prozent der Befragten dafür sind. Doch wenn Russland Polen, Estland, Lettland oder Litauen angriffe, möchte nur ein Drittel (31 Prozent) der Befragten deutsche Soldaten zur Verteidigung in diesen Ländern sehen.

Die negative Wahrnehmung der russisch-deutschen Beziehungen hat nicht zur Folge, dass die Deutschen eine stärkere Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten wünschen. Sowohl Russland als auch die USA behaupten auf der Beliebtheitsskala der Länder, mit denen die Deutschen eine engere Zusammenarbeit ihres Landes gern sähen, ihren jeweiligen Platz seit 2013, aber die Neue Welt auf Platz drei verbucht deutlich sinkende Beliebtheitswerte im Vergleich zum Putin-Reich auf Platz neun. Während 2013 noch 68 Prozent der Befragten die enge Zusammenarbeit Deutschlands mit den USA befürworteten, sind dies 2016 nur noch 60 Prozent. Für eine enge Zusammenarbeit mit Moskau votierten 2013 34 Prozent der Befragten, drei Jahre später noch 33 Prozent.

„Die Deutschen“, so De Geus, „wünschen sich nach wie vor mehr innereuropäische Zusammenarbeit vor allem mit den Nachbarländern in der Europäischen Union (EU).“ Wie 2013 steht auf Platz eins Frankreich mit 78 Prozent (2013: 75 Prozent), gefolgt von den Niederlanden mit 76 Prozent (2013: 75 Prozent). Großbritannien scheint die Brexit-Debatte nicht zu schaden: mehr als die Hälfte (58 Prozent; 2013: 59 Prozent) der Befragten wünscht die enge Zusammenarbeit Deutschlands mit dem Vereinigten Königreich.

Zusatzinformationen

Die repräsentative Umfrage wurde vom 4. bis 12. März 2016 in Deutschland vom Institut TNS EMNID unter jeweils tausend Personen über 18 Jahren in Form von persönlichen Gesprächen durchgeführt. Auftraggeber waren die Bertelsmann-Stiftung und das polnische Institut für Öffentliche Angelegenheiten. Die beiden Organisationen stellten die Umfrageergebnisse am 26. April in der Berliner Repräsentanz der Bertelsmann-Stiftung vor; Gastkommentator war der Russland-Beauftragte der Bundesregierung, Dr. Gernot Erler.

Quelle: Bertelsmann Stiftung

Foto: © Das Baltikum-Blatt / AWSiebert

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