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Erzdiözese Freiburg zeigt Finanztransparenz

Bischofskreuz - SymbolbildNach dem Finanzskandal um den inzwischen suspendierten Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst (Das Baltikum-Blatt vom 17.02.2014) wollte die katholische Kirche in Deutschland ihre Finanzen transparenter machen. Die 1827 gegründete Erzdiözese Freiburg (Baden-Württemberg), will mit eigenem Vorbild Gläubige zurückzugewinnen.

Das Erzbistum im Schwarzwald teilt mit, über einen Vermögen in Höhe von fast einer Milliarde Euro zu verfügen. Dies gehe aus einer Bilanz (für das Jahr 2014) hervor, die am 11. Dezember der Kirchensteuervertretung der Erzdiözese vorgelegt wurde. Grundstücke und Gebäude sowie Kunst- und Kulturgüter sind in der Bilanz mit einem Wert von rund 13 Millionen Euro ausgewiesen. Die Kapitalrücklagen betragen insgesamt 715 Millionen Euro - 260 Millionen Euro davon gehören den 226 Kirchengemeinden der Erzdiözese.

Erzbischof: Kirche braucht Handlungsfähigkeit

„Die Erzdiözese Freiburg ist finanziell sehr gut ausgestattet und aufgestellt. Dafür bin ich von Herzen dankbar – allen voran den Kirchensteuerzahlern und Spendern. Sie ermöglichen es uns, unsere Aufgaben als Kirche wahrzunehmen: die Botschaft des Evangeliums weiterzugeben, das Gemeindeleben vor Ort zu stärken, in Bildung im Geist der christlichen Werte zu investieren und karitativ tätig zu sein. Ohne diese finanziellen Ressourcen wäre Vieles so nicht möglich“, erklärte Erzbischof Stephan Burger. Sowohl die Kirchensteuerzahler als auch die breite Öffentlichkeit könnten darauf vertrauen, „dass wir verantwortungsbewusst mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln umgehen und sie sinnvoll einsetzen.“

Vermögen sei für die Kirche kein Selbstzweck, versicherte Burger. Kirche müsse – mit Blick auf ihren Kernauftrag sowie auf ihre Verantwortung als Arbeitgeber und Auftraggeber für Handwerk und Wirtschaft – langfristig und nachhaltig planen: Um gesellschaftliche Entwicklungen begleiten (und wo nötig auch auffangen) zu können, brauche die Kirche eine passende Infrastruktur und finanzielle Handlungsfähigkeit. Mit ihrem Finanzvermögen (und den Erträgen daraus) sieht sich die Erzdiözese Freiburg in der Lage, Einnahme-Rückgänge kompensieren oder zumindest zeitlich abfedern zu können; schon jetzt braucht sie die Vermögenserträge zum Decken ihres Haushaltes.

Weiterhin wurde vorgebracht, es werde nicht nur in allen katholischen Gemeinden Deutschlands, sondern auch im Erzbistum Freiburg wird weiter einen Rückgang der Mitgliederzahl geben (hier 1995: 2,2 Millionen Gläubige und zehn Jahre später 1,9 Millionen) – allein durch zunehmende Überalterung und niedrige Geburtenraten. Wo Kirchensteuermittel dann nicht mehr ausreichen, sollen andere Erträge helfen, Aufgaben in Verkündigung, Seelsorge und Caritas auch künftig zu erfüllen.

Erzdiözese will Vertrauen zurückgewinnen

Mit Blick auf die größtmögliche Transparenz der Finanzen stehe das Erzbistum Freiburg laut Eigenaussage in einer guten Tradition: „Der Haushaltsplan der Erzdiözese, der seit über 100 Jahren von den Mitgliedern der demokratisch gewählten Kirchensteuervertretung beraten und beschlossen wird, ist öffentlich.“

Zudem lege das Erzbistum die Erträge aus allen Finanzanlagen offen, „die in die Seelsorge und Sozialarbeit, in Kindertagesstätten, Schulen und andere Bildungsbereiche, in Einrichtungen der Caritas und in die Sanierung unserer Kirchen und Gebäude fließen“.

Burger erläutert: „Nach wie vor investieren wir einen Großteil unserer Ausgaben in unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die der Kirche ein Gesicht geben.“ Der Erzbischof sei sich nach eigenen Worten bewusst, dass durch die höhere Transparenz auch „manche Irritationen ausgelöst oder Begehrlichkeiten geweckt werden können“. Fragen wolle er deshalb nicht ausklammern, sondern beantworten und angehen: „Dabei ist es besonders wichtig, dass es uns sowohl durch ein glaubhaftes Leben nach dem Evangelium als auch durch eine überzeugende Finanzpolitik gelingt, das bei so manchen verloren gegangene Vertrauen zurückzugewinnen.“

Dabei komme es wesentlich darauf an, „dass wir offensiv und transparent unsere Option für die Armen und unseren Einsatz zum Wohl aller Menschen in unserer Gesellschaft deutlich machen – angesichts all der bedrängenden Probleme unserer Zeit.“ Dafür seien die Millionenbeträge, die das Erzbistum für die Flüchtlingshilfe (30 Millionen Euro) bereitstelle, nur ein Beispiel: Die Hinwendung zu den Menschen im Geist Jesu Christi, der Dienst der Nächstenliebe, der unsere Gesellschaft erst menschlich und wertvoll macht, fragt nicht nach Herkunft, Hautfarbe oder Taufschein.“

Neutralere Finanzkontrolle

Um die Transparenz weiter zu erhöhen und die notwendige Finanzkontrolle auszubauen, wurde die Vermögensverwaltung der Erzdiözese laut Mitteilung reorganisiert. So gibt es seit 2015 einen Diözesanökonomen und ab 1. Januar 2016 einen unabhängigen Diözesan-Vermögensverwaltungsrat (DVVR). Die Satzung dieses Gremiums wurde in der jüngsten Ausgabe des Amtsblattes der Erzdiözese veröffentlicht. Darin ist festgelegt, dass der DVVR nicht aus Domkapitularen oder Mitarbeitern des Erzbischöflichen Ordinariates bestehen darf, um eine unabhängige Finanzkontrolle zu gewährleisten.

Freiburg ist mit 1,9 Millionen Katholiken nach Köln und neben Münster die zweitgrößte Diözese Deutschlands. Die Erzdiözese ist nach eigenen Angaben eine der ersten der 27 Diözesen in der Bundesrepublik, die ihr Vermögen veröffentlicht haben. Im Vergleich zu anderen großen Erzbistümern in der Republik scheint das Vermögen der Erzdiözese Freiburg eher gering. Das Erzbistum Paderborn hatte Bilanzzahlen von fast vier Milliarden Euro vorgelegt,– das Erzbistum Köln ein Gesamtvermögen von 3,3 Milliarden Euro verzeichnet.

Die Kirchensteuer ist die wichtigste Einnahmequelle der Bistümer. 2014 erhielt die Erzdiözese in Freiburg aus diesem Topf rund 440 Millionen Euro. Als Staatsleistungen wurden 2014 rund 26 Millionen Euro eingenommen. Es handelt sich um Entschädigungszahlungen des Landes Baden-Württemberg für die Enteignungen von Kirchenvermögen in der napoleonischen Zeit (Epoche von 1792 bis 1815). Nicht zu vergessen, das Vermögen wirft auch Gewinn ab. Wie hoch die Mieteinnahmen aus dem Immobilienvermögen des Bistumes sind, wurde nicht bekannt gegeben, man spricht über einen Ertrag von 31 Millionen Euro. (asie/tmich)

Symbolfoto: © Das Baltikum-Blatt / AWSiebert

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