Das Baltikum-Blatt

Gesellschaft

Katholische Kirche liberalisiert Kündigungsrecht

Veröffentlicht: 01. August 2015

Kardinal -SymbolbildDie Kirchen in Deutschland sind der größte Arbeitgeber nach dem Staat. Allein die Caritas hat fast 600.000 Menschen in katholischen Krankenhäusern oder in der Kinder- und Jugendbetreuung eingebunden. Insgesamt beschäftigen die Kirchen in Deutschland rund 1,3 Millionen Mitarbeiter. Sie alle arbeiten mit einem verfassungsrechtlich festgelegten Sonderarbeitsrecht, das Selbstbestimmungsrecht der Kirchen genannt wird. Unter anderem können die Kirchen von ihren Mitarbeitern im Arbeitsvertrag eine verbindliche Kongruenz mit ihren Glaubens- und Moralvorstellungen verlangen. Dieses Selbstbestimmungsrecht der Kirchen ist im November 2014 noch einmal durch einen Entscheid des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe bestätigt worden. Die hohe Richter meinten, dass die Kündigung eines Chefarztes des katholischen Hospitals in Düsseldorf, nach dem er zum zweiten Mal geheiratet hatte, rechtens war.

Fristlose Kündigungen sorgen für Empörung und Widerstand

In letzten Jahren hat vor allem die katholische Kirche noch mit weiteren „aus moralischen Gründen“ erfolgten fristlosen Kündigungen für die Schlagzeilen gesorgt, denn sie sorgten für die Empörung und Widerstand. Ab 1. August will die Kirche deswegen die Wogen glätten und der wieder geheirateten Geschiedenen und in einem eingetragenen Lebensgemeinschaft lebenden Homosexuellen mit einem liberalisierten Arbeitsrecht begegnen.

Nach Auffassung des Vatikans ist eine Ehe unauflöslich und auch die homosexuellen Beziehungen werden durch katholische Dogmen verdammt. Dementsprechend wurde Mitarbeitern automatisch gekündigt, wenn sie zweiten Mal heirateten oder eine gleichgeschlechtlichee Lebenspartnerschaft schlossen.

Die katholische Kirche behandelt aber ihrer Arbeitnehmer trotz der Teilliberalisierung des Arbeitsrechts unterschiedlich: Erzieherinnen oder Hausmeister dürfen demnach lockerere Moralvorstellungen haben als Pastoralreferenten. Die letztere präsentieren die Kirche offiziell und von ihnen wird deswegen ein „besonderes Loyalitätsverhaltensmuster“ erwartet. Jede Kündigungsabsicht wird deshalb einzeln überprüft.

Neu geregelt ist auch das Verhältnis der Kirchen zu den Gewerkschaften. Organisationen der Arbeitnehmer dürfen nun bei der Festlegung der Bedingungen in Arbeitsverträgen mitreden. Grund dafür ist, dass die Kirche als Arbeitgeber ein großes Problem hat, überhaupt qualifizierte Arbeitnehmer zu finden. Das bisherige mittelalterliche Arbeitsrecht schreckt viele Arbeitsuchende ab.

Die Bistümer Eichstätt, Regensburg und Passau (alle in erzkatholischen Bayern) möchten jedoch „die Vereinbarkeit des neues Gesetzes mit dem allgemeinen Kirchenrecht“ überprüfen.

Symbolfoto: © Das Baltikum-Blatt / AWSiebert