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Russischer Abgeordneter Milonow will finnische Briefmarken „Tom of Finland“ verbieten

Von Aino Siebert

Finnische Sonderbriefmarke „Tom of Finland“Finnische Sonderbriefmarke „Tom of Finland“Einen neuen absurden Versuch Russlands, gegen die sogenannten „Homosexuellen Propaganda“ vorzugehen, liefert der St. Petersburger Stadtparlamentsabgeordnete Witali Milonow. Wie die finnische Medien berichten, will der Abgeordnete, der bei dem umstrittenen Gesetz federführend tätig war, die global gut verkauften Sonderbriefmarken des weltbekannten schwulen Künstlers Touko Laaksonen (1920-1991), genannt „Tom of Finland“, in seinem Heimatland verbieten.

Laaksonen ist für seine Abbildungen homoerotischer Fetisch-Fantasien berühmt geworden. Um ihn zu ehren, brachte die finnische Post im September eine Sonderbriefmarke heraus, die schnell in rund 200 Ländern verkauft wurde. Damit ist die „Tom of Finland“ am besten verkaufte finnische Sonderbriefmarke aller Zeiten.

Ein nackter Mann mit Lederstiefeln
Ein nackter, muskelbepackter, rauchende Polizist mit Lederstiefeln... Für Milonow ein rotes Tuch. Obwohl auch Kremlchef Putin sich durchaus gerne seine (homo)erotische Qualitäten via Pressefotos öffentlich zur Schau stellt. Was würde Milonow sagen, wenn ein Sonderbriefmarke mit Putins nackte und muskulöse Oberkörper abgebildet wäre?

Die Finnen, so der Russe, zeigen auf ihrer Sonderbriefmarke „Tom of Finnland“ Elemente der gleichgeschlechtlichen Propaganda. Der Politiker will, dass die russische Post alle Sendungen mit der finnischen Sondermarke zurück den Absender schickt. Die finnische Bürger forderte der Stadtparlamentsabgeordnete auf, die Postsendungen nach Russland mit schwulen Kunst nicht zu frankieren.

Die russische Post hat bis dato keine Zensur unternommen. Als die öffentlich-rechtliche Sender YLE an ihrer Russland-Korrespondentin Maria Manninen ein Päckchen mit homoerotischen Briefmarken schickte, kam dies bei der Empfängerin an.

Gute Werbung
Die Post von Finnland ist mit Verkaufszahlen der Marke höchst zufrieden. Genau so wie der Grafikkünstler Timo Berry, der das erfolgreiches Produkt gestaltet hat. Seine Meinung nach sei das historische Verdienst von „Tom of Finland“ darin, dass die Schwule maskulin gezeigt werden.

Der 1991 verstorbene Touko Laaksonen kann ebenso posthum zufrieden sein. Der Finne begann mit seinen schwulen Fetisch-Motiven-Kunst in den 1960er Jahren. Damals war Homosexualität nicht nur in West-Europa, auch in Finnland noch Tabu. Dank der aktuellen Auftritt von Witali Milonow ist der finnische Künstler in der Welt noch prominenter geworden. Ob er aber verstanden hat, dass der Schluss nach hinten gegangen ist? Wohl kaum.

Im übrigen, unter dem Hashtag #TomofRussia rufen Freaks des Künstlers via Twitter dazu auf, Post mit den homoerotischen Bildern nach Russland zu schicken.

Durch Sowjetzeit sexuell verklemmte Russen
Während der Sowjetzeit war es verboten über Sex zu reden oder zu schreiben. In der Sowjetunion gab es keine sexuelle Revolution oder staatliche Aufklärung. In den Geschäften wurden keine Reizunterwäsche verkauft, offiziell gab es keine Bordelle oder Prostituierte. Auch Pornofilme und -zeitschriften waren bis zur Zerfall der UdSSR nicht erlaubt, Homosexualität wurde verdammt und mit Freiheitsentzug bestraft. Laut Statistik gab es auch keine Vergewaltigungen.

Wie der sowjet-estnische Psychiater Dr. Heiti Kadastik in seinem „Buch für die Jungen“ (erste Ausgabe ist 1966 erschienen) schreibt, fängt die Homosexualität mit der sexuellen Selbstbefriedigung an. Die Masturbation ist wiederum mit einem Mangel an sozialistischen gesellschaftlichen Aktivitäten zu klären. Um die Onanie loszuwerden, sollten die Jungs (von weiblicher Gleichgeschlechtlichkeit wird nicht geredet), anstatt alleine zu Hause zu sitzen (und sich selbst sexuell zu stimulieren), aktiv am sowjetischen Gesellschaftsleben teilnehmen und eine neue, glückliche kommunistische Herrschaftsform aufbauen.

Selbstbefriedung symbolisiert für den sowjetischen Psychiater Einsamkeit, Passivität und Individualismus. Diejenige, die onanieren, beschäftigten sich mit antisowjetischen Handlungen. In der Sowjetunion war Individualismus oder Anderssein ein politisches Verbrechen und entsprechend hart strafbar.

Von der „Homosexualität“ geht der Sowjetpsychiater Kadastik in seinem Werk geschmeidig über zu „Päderastie“ und dann zu „Sexualtätern“. Die Gleichgeschlechtlichkeit ist seiner Meinung nach ansteckend. Wie die Homosexualität auf Andere übertragen wird, dies erklärt der Autor jedoch nicht. Seine sozialistische Botschaft lautet: „Sei wach! Wenn du einen Schwulen erkennst, denunziere ihn bei den Behörden (gemeint ist politische Geheimpolizei KGB). Mit der Diffamierung der Homosexuellen wird die antisowjetische Tätigkeit des (sexual)kriminellen Bürgers abgestellt. Für das Sexualbuch für die Jungen (das Werk wurde auch von Erwachsenen gelesen) schrieb der Dekan der medizinischen Fakultät der Universität Tartu, Sowjetprofessor Jüri Saarma ein Geleitwort. Er beendet seine Einleitung mit der Aussage: „Unsere (sozialistische) Gesellschaft gibt ihnen viel, und erwartet von ihnen viel. Verhaltet euch so, dass die Gesellschaft von ihnen nicht enttäuscht wird! Wir nähern uns dem Kommunismus, wir sollen gute Bauern des Kommunismus und zukünftige Mitglieder des kommunistischen Gesellschaft sein.“ Was Aufbau des Kommunismus mit Sexualität des Menschen zu tun ist, lässt Saarma offen.

Wie unterschiedlich sich die Gesellschaften in der Ostblockstaaten und westlichen Ländern entwickelt haben, zeigt, dass zur der Zeit, als das Buch von Kadastik in Sowjet-Estland erschien, kam in Westdeutschland der Film von aus Riga stammenden Regisseur Rosa von Praunheim „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ in die Kinos. 1973 hat der angesehene amerikanische psychiatrische Fachverband APA (American Psychiatric Association) Homosexualität aus seiner Liste der psychischen Krankheiten gestrichen. Seit 2001 können auch in der Bundesrepublik Lesben und Schwulen Partnerschaften eintragen lassen und unter gewissen Voraussetzungen Kinder adoptieren.

Diese westliche Entwicklung mit sexuellen Aufklärung, auch in der Schulen, haben die seit 1917 unter kommunistischen Diktatur lebende Russen nicht gemacht. Dementsprechend sind sie sexuell äußerst verklemmt. Leider ist auch unter Staatschef Wladimir Putin den Russen nicht möglich, sich sexuell frei zu entfalten.

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