Ad-Test
Google+
Diese Website selbst verwendet Cookies nur zur Funktionaltät. Die Cookies der
Werbepartner können werberelevante Informationen sammeln und weiterleiten.


Ehemaliger Limburger Bischof zieht nach Regensburg

Die Steinerne Brücke in Regensburg über die Donau mit dem Dom im HintergrundDie Steinerne Brücke in Regensburg über die Donau mit dem Dom im HintergrundNoch vor kurzem residierte Franz-Peter Tebartz-van Elst als Bischof in Limburg. Doch der römisch-katholische Geistliche musste die Stadt wegen massiver Kritik an seinem in Pracht „schwimmenden“ Amtssitz verlassen. Deutschlandweit wurde der Kleriker wegen seines Stils der Amtsübung, seinen Lügengeschichten und erheblich gestiegener Baukosten für das Diözesane-Zentrum Sankt Nikolaus in Limburg heftig kritisiert. Am 23. Oktober vergangenen Jahres erklärte der Heilige Stuhl in Rom, Tebartz-van Elst könne sein Amt wegen der eingetretenen Situation nicht mehr ausüben. Am 26. März nahm Papst Franziskus ein Angebot des Bischofs zum Amtsverzicht an. Medienberichten zufolge will der emeritierte Geistliche im September nun nach Regensburg ziehen. Man hatte ihm geraten, nach seinem Umzug offen zu legen, dass er von seiner Prunksucht befreit sei und in seiner neuen Wohnung keine goldene Hähne oder eine frei stehende Badewanne mit Nackenstützen (Kosten bis zu 15.000 Euro), keine teure Kunstwerke, keine private Kapelle, keine weiße Marmorsäulen, kein Adventskranz für 100.000 Euro oder eine Teich mit kostbaren Koi-Fischen vorhanden sind.

Kritikwelle seit Januar 2012
Im Januar 2012 reisten Tebartz-van Elst und sein Generalvikar Franz Kaspar zu einem Besuch von sozialen Projekten für Arme nach Indien. Im April erkundigte sich das Politmagazin Der Spiegel, ob die Geistlichen zu den armen Menschen immer erste Klasse fliegen. Das Bistum antwortete, die Reise sei wie üblich in der Business Class gebucht worden, die Reisende hätten ihre „erste Klasse Tickets“ mit privaten Bonusmeilen beglichen. Im September erklärte Tebartz-van Elst aber, er habe nur dieses eine Mal ein Upgrade des Flugtickets vorgenommen, um während des Fluges schlafen und dann ausgeschlafen seine Termine wahrnehmen zu können. Er brauche keinen Luxus. Um dies zu bestätigen, gab der Bischof eine Versicherung an Eides statt ab. Im September 2013 beantragte die Staatsanwaltschaft Hamburg jedoch einen Strafbefehl gegen Tebartz-van Elst wegen falschen Aussagen in zwei Fällen. Der Kleriker gab seine Falschaussagen gegenüber dem Gericht zu und entging eine Gefängnisstrafe mit Zahlung von einen Bußgeld in Höhe von 20.000 Euro.

Luxusgebäude für den Bischof und sein Umgang mit Wahrheit
2004 hatte das Domkapitel den „Neubau des Bischofshauses auf dem Gelände der alten Vikarie gegenüber dem Limburger Dom“ angestoßen. Die konkrete Bauplanung nach den persönlichen Vorstellungen von Tebartz-van Elst begann Ende 2007. Kurz darauf hatte das Domkapitel die Kostenobergrenze nach Protesten der Gemeindemitgliedern von sieben auf 1,65 Millionen Euro herabgesetzt. Das Baugeld stammte vor allem aus Kirchensteuern und teils aber aus dem „Bischöfliche Stuhl“, einer 1827 gegründeten Stiftung. Seit 2008 schuldet der Stuhl dem Domkapitel keine Rechenschaft mehr, sondern dem Bischof und dessen Generalvikar. Dementsprechend konnte Tebartz-van Elst frei über das Vermögen verfügen. Im August 2012 wurden schon 5,5 Millionen Euro Gesamtkosten veranschlagt, davon alleine 200.000 Euro für die Privatwohnung des Bischofs, 300.000 Euro für seine Privatkapelle, 500.000 Euro für den Verwaltungs- und Gästebereich. Die Bauherren rechneten mit einer Kostensteigerung auf über neun Millionen Euro, nannten aber keine endgültige Gesamtsumme. Ab jetzt an war der Bischof mit wachsender öffentlicher Kritik konfrontiert.

Bei der Eröffnung des Diözesanzentrums am 29. Juni 2013 gab das Bistum eine weitere Erhöhung der Gesamtkosten bekannt – jetzt beliefen die Kosten auf 9,85 Millionen Euro - der Grund für diese extreme Kostensteigerung wurde nicht erkläret. Der Bischof selbst schrieb in einem Hirtenbrief Ende August, es werde „alles dafür getan“, die Kostenfrage „klipp und klar zu beantworten“. Doch passiert ist nichts. Einige Monate später war auch dem Geistlichen klar, wie die ganze katholische Kirche in Deutschland unter die Kostenexplosion des Bischofsbaus in Limburg leidet, die vor allem auf einen extremen Luxushang des Bistumschefs zurückzuführen war.

Tebartz-van Elst sei „entweder ein raffinierter Betrüger oder krank“, war ab nun an der Ton im Medien. Ein Anstieg der Gesamtkosten für den Limburger Prachtbau wurde auf bis zu 40 Millionen hoch gerechnet. Alleine die private Bischofswohnung soll drei Millionen Euro gekostet haben. Noch heute leidet die katholische Kirche in Deutschland unter den hohen Austrittszahlen infolge der Limburger Affäre.

Auf zu neuen Ufern
Die Altstadt von bayerischen Metropole Regensburg in Oberpfalz gehört zum Welterbe der UNESCO. Die Römerstadt am Donau, genannt auch „kleines Rom“, ist seit ihrer Gründung 1245 tief katholisch geprägt, hier ist eines der ältesten Bistümer Deutschlands, das bereits einige Jahrzehnte bestand, als es 739 von Bonifatius dem Canonischen Recht und somit dem Bischof von Rom unterstellt wurde.

In Regensburg wird jetzt der aus Limburg weg gejagte und für lange Zeit untergetauchte Franz-Peter Tebartz-van Elst zur Miete wohnen, berichten die Medien in Deutschland. Der Mitvertrag läuft aber nicht auf seinen eigenen, sondern auf die Namen aller seiner fünf Geschwister. Die Miete für die neue Wohnung wird bis zu 2000 Euro pro Monat geschätzt. Der 54-Jahre alte Kleriker-Eemeritus bekommt monatlich 5.600 Euro Pension und kann theoretisch problemlos die Miete aus seine eigene Tasche zahlen. Das neue, 180 Quadratmeter große Domizil im vierten Stock eines Hauses mit zwei Balkonen in einer besten Gegend von Regensburg ist zwar nicht so luxuriös wie das Haus in Limburg, doch für den Einmann-Haushalt bietet diese Dachgeschosswohnung mit vier Zimmern und einem schönen Blick auf Altstadt und Donau bestimmt ein gewisses Wohlstandgefühl.

Foto: © Sharhuers / Wikipedia

Folgen Sie uns auch auf Facebook und Twitter ,um immer auf dem Laufenden über Nachrichten aus aller Welt zu bleiben.