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Estnische Kunst wieder zu Gast in Salzburg

Von links nach rechts: Botschafterin Eve Külli Kala, Riho Hütt, Kelli Valk, Kalli Kalde, Peter Rieder, 2. Salzburger Landtagspräsidentin Gudrun Mosler-Törnströmv.l.:
Botschafterin Eve Külli Kala, Riho Hütt, Kelli Valk,
Kalli Kalde, Peter Rieder,
2. Salzburger Landtags-
präsidentin Gudrun Mosler-Törnström
Von Tauno M. Lang und Kaie Heilander, München

Wer Salzburg hört, verbindet damit die Geburtsstadt Mozarts mit Festspielen und süße Nockerl. Stimmt, aber nicht nur, denn abseits des Touristengetümmels gibt es so manches kulturelle Kleinod dieser Stadt zu entdecken. Etwa die Berchtoldvilla aus dem 18. Jahrhundert und den im vergangenen Jahr angelegten Skulpturenpark für zeitgenössische Kunst im inneren Nonntal, das auch mit zum Weltkulturerbe der österreichischen Landeshauptstadt gehört. Und genau hier in unmittelbarer Nachbarschaft von Universität und Europagymnasium hat die Berufsvereinigung der Bildenden Künstler Salzburgs ihr schmuckes Domizil gefunden.

Der Salzburger Maler, Grafiker und Bühnenbildner Peter Rieder hat in den vergangenen Jahren neben seinen eigenen Arbeiten, die vor allem im europäischen Ausland in Ausstellungen zu sehen waren, auch an den unterschiedlichsten Stellen im Hause erfolgreich mit angepackt. Noch heute zieht er als Vorstand an so manchem Faden, denn mit der Zeit ist ihm und seiner bayerischen „FotokünstlerFrau“ Regina ein Netzwerk gelungen, das seinesgleichen sucht. Genauer gesagt: Die beiden Künstlernaturen haben für das Baltikum -insbesondere für Estland- ihr Herz entdeckt und seit beinahe 15 Jahren sind sie schon Feuer und Flamme. Initialzündung war, dass Peter Rieder als erster zeitgenössischer Künstler Österreichs in der Estnischen Nationalbibliothek in Tallinn durch die tatkräftige Mitwirkung der Generaldirektorin Tiiu Valm seine Ausstellung „Architekturkörper-Körperarchitekturen“ präsentiert hat. Davon beflügelt hat Peter Rieder auch mit der Salzburgisch-Estnischen-Gesellschaft weitere Ausstellungsprojekte organisiert und international ist er ebenso als Kurator in Erscheinung getreten. Im Laufe der Zeit haben sich so vielfältige Begegnungen und Kontakte ergeben, die bis heute zu einem interessanten und bereichernden Kulturaustausch führen.

Arbeiten von Rait PräätsArbeiten von Rait PräätsVon dieser gegenseitigen Neugier der Kunstschaffenden zeugen eine Reihe von außergewöhnlichen Veranstaltungen: In der Estnischen Nationalbibliothek und an weiteren Orten Estlands zeigen Peter und Regina Rieder Grafiken und Fotoarbeiten zu „Der historische Blick“ (2003), Festakt in Salzburg zum EU-Beitritt Estlands 2004 sowie die Ausstellung „Aufbruch nach Europa“ mit den estnischen Künstlern Mare Vint, Andres Tolts und Eduard Tüür und im Herbst werden in der Berchtoldvilla Illustrationen zum estnischen Nationalepos „Kalevipoeg“ von 1860 bis zur Gegenwart gezeigt, die große Ausstellung „Ars Baltica“ (2005) in der Berchtoldvilla anlässlich des 10-jährigen Kulturaustausches mit Litauen unter Mitwirkung von 16 Künstlern aus allen baltischen Staaten inklusive prominenter Repräsentanten aus dem öffentlichen Leben und im November „Salzburgi kunstimaastikud – Kunstszene Salzburg“ und ihre Künstler in der Estnischen Nationalbibliothek in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Botschaft in Estland.

Weitere Kunstevents folgten mit „Tühi ruum – Frei Raum“ (2006), Arbeiten des deutschen Malers, Grafikers und Bildhauers Caius Spillner (2007), „Salzburg Art Mix“ (2008) und die Ars Baltica 08 unter dem Titel „Die grafische Linie“ in Erinnerung an die erlangte Unabhängigkeit von Estland, Lettland und Litauen vor 90 Jahren.

Regina RiederRegina RiederEin besonderes Highlight war die Lesung mit dem Salzburger Literaten Walter Müller zur Ausstellung „Als das Meer im Berg verschwand“ zu Ehren von Tallinn als der Europäischen Kulturhauptstadt 2011 in der Estnischen Nationalbibliothek: Das Künstlerehepaar Rieder hat Versteinerungen von Meerestieren mitten im heimatlichen Gebirge entdeckt, fotografiert, in Frottage-Technik aufs Papier gebracht und so kunstvoll-spielerisch faszinierende Metamorphosen geschaffen. Das „Steinerne Meer“ der Berchtesgadener Alpen erinnert mit seiner Namensgebung noch heute an Urgewalten aus ältester Zeit und darin könnte auch der Grund zu finden sein, dass Meer und Gebirge immer wieder die Sehnsuchtsorte des Menschen sind.

„Voice of Art“ ist die aktuelle Kunstausstellung estnischer Künstler in der Berchtoldvilla betitelt, die Anfang November im Beisein zahlreicher Gäste aus nah und fern von der Estnischen Botschafterin Eve-Külli Kala und der Salzburger Landtagsvizepräsidentin Gudrun Mosler-Törnström feierlich eröffnet wurde. Es ist mehr als überraschend, mit welchen Exponaten der Gegenwartskunst die Esten von sich reden machen. Vorherrschend ist ein lustvolles Experimentieren mit Einfallsreichtum, das den Blick für die Grenzenlosigkeit der Kunst freigibt, ohne die Augen für das zu verlieren, woher man kommt und wer man ist. Die bildnerische Kreativität kommuniziert mit Themen und Techniken in meditativer oder satter Farbgestaltung und dabei werden neben Vertrautem auch Materialien verwendet, aus denen dann Lichtdesignobjekte, tiefschichtige Glasskulpturen mit malerischen Durchsichten oder verblüffende textile Kunstwerke werden. Die inspirierende Arbeiten bzw. Installationen von Kalli Kalde, Kelli Valk, Külli Suitso, Sirje Eelma, Tiiu Kirsipuu, Rait Prääts sowie Riho Hütt laden mit ihrer KunstBotschaft zur Sensibilisierung des Zwischenmenschlichen ein.

Arbeiten von Kalli KaldeArbeiten von Kalli KaldeDas Figurentheater „Babelart“ aus Gmunden hat der Vernissage zudem mit der kurzen Aufführung „Der Pate Hase„ einen besonders gelungen hintersinnigen Akzent verliehen. Die Estin Andra Taglinger und der Italiener Manfredi Siragusa haben das mafiöse Augenzwinkern in der aufmerksamen Szene durchblicken lassen, denn ihr Theaterspiel ist auch das Babel (Genesis 11,9) der Sprachen und Kulturen – aber eben auf eine „kalt-heiße“, ganz eigene Art (of Voice).

Peter RiederPeter RiederDie Kuratoren Peter Rieder und Kalli Kalde leisten mit der Ausstellung grenzüberschreitende Pionierarbeit für Kunst und Kultur Estlands, ermutigen aber auch zu einer verändernden Sinneswahrnehmung, um „Töne sehen und Farben hören“ zu können. Eine Suche nach gemeinsamer und unterschiedlicher kultureller Identität in einem spannenden europäischen Findungsprozess – getragen durch Öffnung und Erweiterung von Geist, Herz und Seele.

Info:
Ein Teil der wunderbaren Tallinn-Ausstellung „Als das Meer im Berg verschwand“ (estnisch „Kui meri kadus mäe sisse“) von Regina und Peter Rieder ist auch im Rahmen dieses Estland-Projekts in der Berchtoldvilla wieder zu sehen.

art bv Berchtoldvilla, Josef-Preis-Allée 12, A-5020 Salzburg
Tel. +43 662 846542, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! , www.artbv-salzburg.com

Ausstellung bis 19. Dezember 2013
Öffnungszeiten: Di, Mi, Do: 13.00-17.00 / Fr: 14.00-19.00 / Sa: 14.00-18.00 / Feiertage geschlossen

Fotos: © Veranstalter

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