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Gedenken an Lennart Meri

Von Ülo Salm, Berlin

Buchcover Aus Anlass des 90. Geburtstages des früheren Präsidenten Estlands, Lennart Meri, fand auf Initiative der Deutsch-Estnischen Gesellschaft Berlin e.V. in der Botschaft der Republik Estland am 29. März eine Gedenkveranstaltung statt. Meri wurden am 29. März 1929 geboren. Er verstarb am 14. März 2006. Am 29. März wäre er 90 Jahre alt geworden. Es war ihm nicht vergönnt.

Brigitte von Engelhardt von der Deutsch-Estnischen Gesellschaft Berlin zeichnete ein Bild seiner Persönlichkeit, begleitet von interessantem Bildmaterial. Im Anschluss fand ein Gespräch mit zwei früheren deutschen Botschaftern in Estland statt, in dem diese von ihren Eindrücke und Erfahrungen mit Meri berichten konnten, wobei das Bild einer beeindruckenden, starken, sympathischen, aber mitunter auch schwierigen Persönlichkeit gezeichnet wurde.

Meri war nach der erneuten Erlangung der Unabhängigkeit Estlands zunächst Außenminister, später – von 1992 bis 2001 – Präsident des Landes. Den überwiegenden Teil seines Lebens hatte sich Meri kulturell betätigt. Er war ein erfolgreicher Schriftsteller, Filmemacher und Hörspielautor. Er beherrschte mehrere Fremdsprachen, so Deutsch, Finnisch, Englisch, Französisch, Russisch, Latein, das Deutsche ohne Akzent.

Bis 1953 hatte Meri an der Universität Tartu Geschichte studiert, durfte aber nicht als Historiker tätig werden. Deshalb widmete er sich Theater, Film und Rundfunk, wobei seine Filme besonders erfolgreich waren. 1963 trat er dem estnischen Schriftsteller- verband bei. Sein erstes Buch hatte er 1958 veröffentlicht, in dem es um eine Reise nach Zentralasien ging. 1964 verfasste eine Chronik über eine Reise nach Kamtschatka, 1974 über eine Reise an die sogenannte Nordostpassage. 1976 schrieb er ein Buch über die Geschichte Estlands und des Ostseegebiets und das legendäre Thule, wohl sein bekanntestes Werk. International bekannt und preisgekrönt wurde sein Film „Die Winde der Milchstraße“.

1988 gründete Meri das private Estnische Institut zur Förderung von internationalen kulturellen Begegnungen. Bald danach gab es schon die ersten Anzeichen einer politischen Wende, die mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion Wirklichkeit wurde. Schon in den Jahren zuvor hatte sich Meri in Estland und den westlichen Ländern für die Unabhängigkeit seiner Heimat eingesetzt. Seine erfolgreiche politische Laufbahn wurde ihm allerdings erst möglich, nachdem die Sowjetunion gezwungen war, den baltischen Staaten die Unabhängigkeit zu gewähren.

Meris besondere Liebe galt Deutschland und der deutschen Kultur. Eine starke emotionale Verbindung bestand übrigens zum Hause der Botschaft Estlands in der Berliner Hildebrandstraße. Er hatte sogar dem damaligen deutschen Außenminister Genscher das Versprechen abgenommen, das Botschaftsgebäude zu restaurieren. Das verwirklichten allerdings nachfolgend die Esten aus eigener Kraft.

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