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Estlands Botschafter Laanemäe bei der Adenauer-Stiftung

Von Ülo Salm, Berlin

Dr. Mart Laanemäe, Botschafter der Republik EstlandDr. Mart Laanemäe, Botschafter der Republik EstlandDie Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung im Berliner Diplomatenviertel hatte am 15. Februar im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe „Europabilder“ den Botschafter der Republik Estland, Dr. Mart Laanemäe, zu Gast.

Der 1959 in Kanada geborene Botschafter, von Hause aus Chemiker, ist seit 1996 im diplomatischen Dienst und wurde im August vergangenen Jahres Repräsentant seines Landes in Deutschland. Er ist ein hervorragender Kenner seines Gastlandes und spricht akzentfrei Deutsch – hat er doch in München promoviert und auch gearbeitet.

Laanemäe kann zu Recht mit gewissem Stolz auf sein Land blicken. Estland ist seit 2004 EU- und NATO-Mitglied, gehört seit dem 1.1.2011 der Eurozone an und ist in Europa der unangefochtene Vorreiter in der Modernisierung und Digitalisierung von Verwaltung, Wirtschaft und ziviler Gesellschaft (am Rande: „Skype“ ist eine estnische Erfindung).

Laanemäe ist kein Freund von großen Worten und politischen Schlagwörtern. So begann er seinen Vortrag mit einer Auseinandersetzung über Begriff und Funktion des Bildes und brachte dem Publikum bei, dass es Bilder sind, die Vorstellung und auch die Erinnerung von Menschen erfassen, nicht aber so sehr Worte. Mit hintergründigen Humor setzt er sich mit der politischen Forderung „Mehr Europa“ auseinander und brachte zu Erheiterung seiner Zuhörer das Beispiel, dass sich das estnische Territorium geologisch langsam erhöht und man hoffe, dass der steigende Meeresspiegel dies nicht zunichte mache.

Die Fragen aus dem Publikum zielten verständlicherweise in erster Linie auf die starke russische Minderheit im Lande, die etwa ein Viertel der Bevölkerung ausmacht. Laanemäe trat der Vorstellung entgegen, dass es sich dabei um eine „fünfte Kolonne“ Russlands handele. Auch sei es keineswegs eine homogene Gruppe. Es komme im Übrigen nicht allein auf die Sprache an, sondern aus estnischer Sicht nur auf die Staatsangehörigkeit, die in zunehmendem Maße von der russischen Minderheit gewünscht und gehalten wird. Es gibt auch einen Zustrom arbeitssuchender Russen nach Estland, im Durchschnitt etwa 1000 Personen pro Jahr. Der Strom verläuft nur in Richtung Estland. Es gibt keine Wanderungbewegung von Estland nach Russland – angesichts der ökonomischen Verhältnisse nicht verwunderlich.

Es wurde auch das Problem der im Nordosten an der russischen Grenze gelegenen Stadt Narva angesprochen, in der etwa 80 Prozent der Bevölkerung ethnische Russen sind. Ein schwacher Versuch im Jahre 1993, mithilfe eines Referendums Narva aus dem estnischen Territorium herauszulösen, blieb ohne Erfolg – ganz abgesehen davon, dass nach der Schlussakte von Helsinki sich alle Parteien dazu verpflichtet hatten, keinerlei Grenzveränderungen in Europa mehr anzustreben. Heute redet keiner mehr von der Narva-Krise.

Der Botschafter bestätigte, dass es von russischer Seite gegenüber Estland gewisse Blockaden bezüglich des Austausches von Wirtschaftsgütern gibt. Immerhin bezieht Estland russisches Erdgas, allerdings aus Litauen, das seinerseits das Gas aus Russland bezieht. Aufsehenerregend war die mutmaßlich von russischer Seite durchgeführte Cyberattacke im Jahr 2007. Die Störung der Verwaltung war dabei nicht so gravierend, wie das komplette Ausschalten der Notrufsysteme im ganzen Lande, weil dadurch das Vertrauen der Bevölkerung in einen funktionierenden Staat und die von diesem gewährte Sicherheit erschüttert wird (möglicherweise ein Ziel des Angriffs).

Laanemäe betonte, dass die Sicherheit seines Landes durch die NATO gewährleistet sei. Estland beschränke sich klugerweise auf seine realen Möglichkeiten und verzichte beispielsweise auf eine eigene Luftwaffe. Aber immerhin wende Estland 2,2 Prozent seines Haushalts für Militärausgaben auf und übertreffe damit die Vorgaben der NATO, wie sie erstmals vor 15 Jahren beschlossen wurden, um 0,2 Prozent. Die Bundesrepublik Deutschland liegt immer noch bei nur 1,2 Prozent.

Gefragt nach den Ursachen der Erfolge Estlands, meinte der Botschafter, das Geheimnis liege in der Selbstbeschränkung, d.h. der Erkenntnis, dass man nur im Rahmen seines vorhandenen Potenzials handeln könne, dies aber optimal ausschöpfe.

Das Publikum dürfte den informativen Abend sehr genossen haben, nicht zuletzt dank der angenehmen und unkomplizierten Persönlichkeit des Referenten. Die Veranstaltung endete, wie bei der Konrad-Adenauer-Stiftung üblich, mit einem Empfang und anregenden Gesprächen bei einem Glas Wein.

Archivfoto: © Das Baltikum-Blatt / AWSiebert

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