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Präsidentenwahl in Estland: Bedeutung der Kornblume

 

Estnische Briefmarke mit KornblumeDie Präsidentschaftswahl in Estland war voll großer und kleiner Peinlichkeiten. Das schadet dem Amt des Staatsoberhauptes, dessen größte Aufgabe es ist, die Gesellschaft zusammen zu halten.

Doch den Populisten ist die Würde des höchsten Staatsamtes gleichgültig. Ihnen geht es nur um die Macht. Denn egal ob in Finnland, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Österreich oder eben in Estland – sie sind sich nicht zu schade, sich beharrlich zu blamieren. Der Kandidat der Estnischen Konservativen Volkspartei EKRE, Mart Helme (nicht zu verwechseln mit seinem Sohn Martin Helme), wusste nicht einmal, wie lange die Amtszeit des Staatspräsidenten dauert. Er bat in seinem mündlichen Antrag, ihn für vier Jahre als Staatsoberhaupt zu wählen.

Zungenrutsch und Mausrutsch

Auf eine entsprechende Nachfrage des Netzportales Delfi wurde der frühere Diplomat weniger diplomatisch und meinte, er wisse ganz genau, dass die Amtszeit fünf Jahren dauert, seine Zunge sei nur bei der Antragstellung ausgerutscht.

Erinnern wir uns an dieser Stelle an den „Mausrutsch“ der deutschen Populistin Beatrix von Storch. Die AfD-Vizevorsitzende schrieb vor einiger Zeit in den sozialen Medien, dass in Fällen illegaler Grenzübertritte von Flüchtlingen ein Waffengebrauch gerechtfertigt sei. Es sei sogar erlaubt, auf Frauen und Kinder zu schießen. Nach heftiger Kritik ruderte die Adlige zurück und erklärte dem Magazin Spiegel, ihre Hand sei lediglich auf ihrer Computermaus ausgerutscht. Massiver Spott war ihr damit garantiert. Wie derzeit ihrem estnischen Kollegen Helme.

Es kam noch schlimmer

Wenn man denkt, es könne nicht schlimmer werden, dann geht es doch. Der jüngste Abgeordnete im estnischen Parlament (Riigikogu), Jaak Madison, glänzt nicht zum ersten Mal mit jugendlicher Dummheit. Doch dass er nicht einmal weiß, wie das Logo seiner Partei aussieht, übertrifft das, was er bis dato geliefert hat.Twitterpost von Ekre Madison mit Antwort von Triin Loide Twitterpost von Ekre Madison mit Antwort von Triin Loide

Der Halbstarke wollte seinem Parteiboss Mart Helme bei der Präsidentschaftswahl zum Wahlsieg verhelfen und Punkte für seine weitere (erfolgreiche) Parteikarriere sammeln. Der eifrige junge Mann schrieb im Twitter: „Der Vater von (Marina) Kaljurand ist ein SS-Veteran, das heißt Nazi. Kaljurand trug an (ihrem Kleid) während der Präsidentschaftsdebatte eine große Kornblume, die in Österreich mit dem Nazismus verglichen wird.“ Die Kornblume galt tatsächlich seit dem 19. Jahrhundert als ein Symbol der deutschnationalen Gruppierungen. Dazu gehörte auch die sogenannte Schönerer-Bewegung in Österreich.

Kaljurand ist ehemalige Botschafterin in Russland. Ihren späteren Posten als Chefdiplomatin verließ sie, um sich zur Staatspräsidentin wählen zu lassen. Vor kurzem sah sie sich von EKRE genötigt, ihre postnatale estnische Staatsbürgerschaft zu beweisen - Das Baltikum-Blatt berichtete. Ihr Vater ist Russe, und die Russen kämpften während des Zweiten Weltkrieges in der Regel in der sowjetischen Roten Armee, nicht in der Waffen-SS.

Madisons Pseudoproblem wurde allerdings schnell von der Schriftstellerin Triin Loide gelöst. Sie bat den EKRE-Jüngling, einen Blick auf sein Fraktionslogo zu werfen. Dort steht auf der Mitte groß und blau eine Kornblume.

Seit 1968 Nationalblume Estlands

Im übrigen ist die Kornblume seit 1968 die Nationalblume Estlands. Den Wettbewerb, um eine Nationalblume zu wählen, hatte damals, noch während der Sowjetära, der estnische Naturschutzbund organisiert. Bei der Auswahl wurden allumfassende Beliebtheit, dekorative Erscheinung und einfache Anwendungsmöglichkeit als Bildmotive berücksichtigt. Es liegt auf der Hand, dass die Blume in Estland wachsen musste. Aber diese Informationen sind für Madison, der bei jeder Gelegenheit vorbringt, ein „reiner Este“ zu sein, offensichtlich neu. Die weiteren Nationalsymbole Estlands sind die Rauchschwalbe, der Strömling und der Kalkstein.

Die Kornblume ist allerdings ein beliebtes Motiv auch in anderen Ländern. Eine stilisierte Kornblume ist zum Beispiel das Logo der deutschen Modemarke Joop. In Frankreich dient das Bleuet de France (die Kornblume Frankreichs) als Symbol des Gedenkens an die zahllosen Kriegsopfer, insbesondere an die Opfer der beiden Weltkriege. Die Träger solidarisieren sich mit Veteranen, Witwen und Waisenkindern. In Schweden wiederum ist die Kornblume die Landschaftsblume von Östergötland, das Signum der Wahlrechtsbewegung des späten 19. Jahrhundertes und heute das Parteisymbol der Fraktion Die Liberalen. (Aino Siebert, Bearbeitung Thomas Michael) Quelle: Delfi Estland, Twitter, Wikipedia

Foto: www.estland.com

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