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Estlands Kampf gegen Putinsche Propaganda

Logo von ETVRund ein Drittel der estnischen Bevölkerung spricht als Muttersprache Russisch. Obwohl in Estland auch russischsprachige Medien stark vertreten sind, fehlte bisher ein eigener Kanal für die rund 250.000 ethnischen Russen. Sie folgen den russischen Sendern wie Rossija 1, RTR Planeta oder NTW, die auch in den baltischen Staaten gut zu empfangen sind.

Doch die staatliche Kanäle im Reich des Wladimir Putin werden zensiert, sie sind nicht frei von prorussischer Propaganda und pflegen einen Kreml-Kult wie in der Zeiten der Sowjetunion. Damit nimmt Putin mit seiner diktatorischen Weltsicht und oft mit erfundenen Daten zu der Geschichte Einfluss auch auf die russischsprachigen Menschen im Ausland. Putin will sein Land als glorreiche Großmacht präsentieren, wo alles perfekt funktioniert: Es gibt keine Oppositionellen, keine Armut, keine Arbeitslosigkeit und vor allem werden die von Russland geführte Kriege, wie der Kampf der prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine, die Annexion der Schwarzmeer-Halbinsel Krim durch Russland und die militärische Hilfe für Syriens Diktator Baschar al Assad immer als gerecht dargestellt. Zusammengefasst: Russland hat immer Recht und Putin macht keine Fehler.

Jetzt will Estland etwas dagegen setzen und gründete vor einem Monat für die ethnischen Russen einen eigenen, russischsprachigen Sender etv+ . Das Projekt wird finanziert durch Steuergelder, denn wie aus der Chefetage der estnischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt Eesti Rahvusringhääling (err) zu hören war, ist unabhängiger Journalismus wichtiger als Panzer. Einen kleinen Teil des mageren jährlichen Budgets von 2,5 Millionen Euro pro Jahr hat auch Ministerrat der skandinavischer Länder übernommen.

Die Nachrichtensendung "Die aktuelle Kamera" des dritten Programms meldet sich auf Russisch mehrmals am Tag. Auch im Internet ist das Programm weltweit zu sehen. Vor allem sei es wichtig, im Angesichts der aktuellen militärischen Konflikten in der Ukraine und Syrien eine unabhängige Berichterstattung anzubieten.

Der Kanal wurde in binnen neun Monaten aufgebaut. Im Redaktion arbeiten rund 70 Journalisten, dessen Muttersprache russisch ist. Sie alle sprechen aber auch exzellent Estnisch. Bald soll auch in Narwa, einen Grenzstadt an der Grenze zu Russland eine Regionalstudio eingerichtet werden, denn dortige Bevölkerung besteht fast aus Russen. Nur drei Prozent Esten leben in der Stadt. Die technische Ausstattung für die Außenstelle soll von westlichen Verteidigungsbündnis NATO kommen. In Zukunft soll etv+ auch Hilfe von der Deutschen Welle aus Bonn bekommen, zum Beispiel durch die Zulieferung russischsprachiger Fernsehbeiträge. Die Verhandlungen darüber laufen bereits.

Die Chefredakteurin Darja Saar berichtet, dass die russischsprachigen Zuschauer neben Nachrichten auch Reiseberichten und Talkshows folgen können. Im Mittelpunkt stehen die in Estland lebende Russen selbst. Der neue Kanal will helfen, Russen und Esten zusammen zu bringen, denn oft fehlt es wegen unterschiedlichen historischen Interpretationen der gesellschaftliche Zusammenhalt. Die Esten sind der Meinung, dass die Rote Armee Estland 1940 und 1944 okkupiert, die Russen meinen, dass die Armee von Diktator Jossif Stalin Estland von Faschisten befreit hatte. Die Russen feiern bis heute am 9. Mai den Sieg über Nazi-Deutschland. Sie möchten nicht wahr haben, dass Stalin und sein damalige Diktator-Freund Adolf Hitler am 23. September 1939 in Moskau einen Pakt unterschrieben haben, in dem sie die europäische Staaten unter sich verteilten. Dadurch kamen Estland und einige andere Staaten ohne eigenen Willen in die sowjetische Einflusszone.

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