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Estland: Im Spionagefall Puusepp erste Festnahme

Im Film gezeigte angebliche Geheimdokumente von KaPo, die angeblich Uno Puusepp an die Russen übergeben hatIm Film gezeigte angebliche Geheimdokumente von KaPo, die angeblich Uno Puusepp an die Russen übergeben hatDie estnische Sicherheitspolizei KaPo (Kaitsepolitsei) hat nach der Ausstrahlung des Filmes „Unser Mann in Tallinn“ in dem russischen Sender NTV – Das Baltikum-Blatt berichtete - ein Mitglied des Vereins der Afghanistan-Kriegsveteranen „Lahinguvendlus“ („Schlachtkameradschaft“), Karl Paks festgenommen. Der Verein kümmert sich um sowjetische Afghanistan-Veteranen, von denen viele bis heute schwer traumatisiert sind. Die KaPo hat die Festnahme von Paks bestätigt. Auch die russische Sender NTV berichtete über dessen Verhaftung.

Zehnjährige sowjetische Invasion in Afghanistan
In der Welt wird fast kaum darüber gesprochen, dass im Jahr 1979 hatte sich die sowjetische Regierung unter Leonid Brezhnew (damals 73 Jahre alt) zum Einmarsch in Afghanistan entschieden, denn Kabul hatte das Vertrauen des Kremls verloren. Der bewaffnete Konflikt wurde erst 1989 beendet. Hintergrund war, dass die afghanischen Kommunisten versucht hatten ihr Heimatland gewaltsam in den Sozialismus zu zwingen und damit die Bevölkerung gegen sich aufgebrachten.

Die sowjetische Rote Armee kämpfte zehn Jahre in einem vom ersten Tag an ungleichmäßigen Krieg gegen die örtlichen Partisanen. Auch wachsende Teile der afghanischen Armee schlossen sich dem Widerstand gegen die Sowjets an. Der bewaffneter Konflikt wurde von beiden Seiten rücksichtslos und grausam geführt; sowohl die Sowjets und die Regierungstruppen, als auch die Widerstandskämpfer begingen grausame Kriegsverbrechen. Die sowjetische Besetzung wurde von den westlichen und den islamischen Staaten verurteilt. Sie überschattete auch die Olympische Sommerspiele 1980 in Moskau und Tallinn, denn sie wurden vor allem von den westlichen Staaten boykottiert.

Der afghanische Krieg war auch in der Sowjetunion äußerst unbeliebt. Viele wehrpflichtige junge Männer, auch aus den baltischen Staaten, wurden zu dem Feldzug eingezogen. Sie wurden verwundet oder starben in dem fremden Land. Fast alle der blutjungen Soldaten, einige erst 18 Jahre alt, erlitten schwere Kriegstraumata. Außerdem wirkte der Afghanistankrieg als Katalysator für die wachsende Drogenproblematik (vor allem durch den Konsum von Heroin) und die damit verbundene Kriminalität in allen sowjetischen Unionsstaaten. Im Gegensatz zum Vietnamkrieg der USA wurde die sowjetische Öffentlichkeit über die Grausamkeiten des Krieges in Afghanistan nicht informiert, die rote Zensur in der Medien funktionierte gut. Die Informationen darüber, was in den fremden Land mit den Söhnen und Ehemännern passierte, liefen nur von Mund zu Mund. Der Afghanistankrieg und seine enormen Kosten beschleunigten den wirtschaftlichen Niedergang der UdSSR, der schließlich zu deren Zerfall führte. Der Nachfolgestaat, die heutige Russische Föderation unter Präsidenten Wladimir Putin kümmert sich kaum um die Veteranen, von denen viele Kriegsversehrte sind.

Für die Sowjetunion starben 14.453 Soldaten, 53.753 wurden verwundet und 311 vermisst. Schätzungsweise wurden 600.000 bis zu zwei Millionen afghanische Zivilisten getötet, fünf Millionen waren auf der Flucht, zwei Millionen wurden intern vertrieben.

Karl Paks soll Informationen über russische Militärangehörige gesammelt haben
Über Karl Paks wurde in dem Film erzählt, dass der Este im Verein der Kriegsveteranen Informationen über ehemalige und jetzige russische Militärangehörige sammelte.

Der russischer Militärexperte Igor Korotschenko sagte den russischsprachigen Portal von Delfi, dass Geheimdienste in der Regel die Namen ihrer Agenten nicht bekannt geben: „Doch in diesem Fall kann man den FSB verstehen, denn es geht um eine besonders erfolgreiche Operation, die 15 Jahren andauerte: Fast alles, was auf den Tisch des Generaldirektors der estnischen Behörde gelegt wurde, erreichte auch den Generaldirektor des FSB in der Moskauer Lubjanka.

Laut Korotschenko wollte der russische Inlandsgeheimdienst mit seinem riesigen Erfolg hausieren gehen. Die brisanten Enthüllungen waren möglich, weil Puusepp mit seinem „Auffliegen“ einverstanden war. Der Este hat nichts mehr zu verlieren, weil er sich in einem sicheren Ort in Russland befindet. Doch eines ist klar – nicht nur estnische Justiz, sondern auch Amerikaner sind jetzt auf die Suche nach dem estnischen Spion Uno Puusepp.

Im übrigen erzählte Puusepp in dem NTV-Film, dass Wladimir Veitman wegen Spionage unschuldig verurteilt wurde. Nicht Veitmann, sondern er, hätte angeblich für Russland spioniert.

Korotschenko wird von der estnischen Sicherheitspolizei als ein FSB-Agent zur Manipulation von Institutionen und Personen eingeschätzt. In Estland ist er deswegen nicht willkommen. Doch er meint zu wissen, dass die Filmaussagen von Puusepp nun die KaPo zum Schwitzen bringen, denn die Behörde muss die Tätigkeit von Veitmann nochmals überprüfen und dafür neue interne Ermittlungen anleiten.

Der Militärexperte zweifelte die im Film dargelegte angebliche Wahrheit nicht an, obwohl die sogenannte Geheimdokumente im Streifen nur verdeckt gezeigt wurden. So kann die KaPo dem Russen zufolge nicht aufklären, welche Informationen den russische Geheimdienst in Moskau erreicht haben.

Der Film „Unser Mann in Tallinn“ und Aussagen von Korotschenko, aber auch die Entführung des KaPo-Agenten Eston Kohver im September nach Moskau zeigen, dass Russland mit einem massiven kalten Krieg gegen Estland begonnen hat.

Inzwischen erreichte unsere Redaktion die Mitteilung, dass Paks wieder aus der Haft entlassen wurde. Weitere Details dazu sind zur Zeit nicht bekannt. (asie)

Fotoquelle: Film

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