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Russischer Musikkritiker Troitski schlägt in Estland Wurzeln

Artemi TroitskiArtemi TroitskiDer Kritiker des Kremlchefs Wladimir Putin, Artemi Troitski hat seine Heimat verlassen und will nun in Estland Wurzeln schlagen.

In den 80er-Jahren kämpfte der bekannte Musikrezensent (unter anderem verbotenes Magazin Zerkalo) in der Sowjetunion für die Freiheit und die Anerkennung der Rockmusik. Er schrieb über die westliche Musik, als sie von der Kommunistischen Partei noch verboten wurde, und organisierte illegale Konzerte der ersten russischen Rockbands, wie Kino, Maschina Wremeni, Akvarium, aber auch für die Gruppe von Gunnar Graps, Magnetic Band.

Einst namhafte Kolumnist war Troitski nach dem Aufstieg von Putin nur noch im Internet zu sehen. Im März 2011 hat ihn der Putin-Freund Wadim Samoilow angeklagt. Troitski nannte ihn einen „dressierten Pudel von Surkow“ und meinte die Verbindung des Musikers zu Wladislaw Surkow, der grauen Eminenz des Kremls. Surkow wurde oft als „Kreml-Chefideologe“ oder auch als „dritter Mann im Staat“ nach Putin und Dmitri Medwedjew bezeichnet. Er galt zeitweise als verantwortlich für die russische Innenpolitik. 2004 soll der Geschäftsmann und Politiker maßgeblich zum Wahlsieg von Putin bei den Präsidentschaftswahlen beigetragen haben. 2013 wurde Surkow zum persönlichen Berater Putins ernannt. In dieser Funktion hatte er sich unter anderem um die sozioökonomische Entwicklung der von Georgien abtrünnigen Regionen Abchasien und Südossetien gekümmert.

Der Regimegegner Troitski kämpfte auch auf der Straße gegen Putin und kritisierte laut den Einmarsch den russischen Truppen in die Ukraine. Jetzt hat er von dem diktatorischen Regime Russlands die Nase voll und hat das Land verlassen. „Hysterische Atmosphäre, Militarismus, Aggressivität,“ zählt der Dissident als Gründe für seine Ausreise zusammen. In den letzten Jahren wurde das Leben für die Bürger, deren Weltbild mit dem der russischen Machtinhaber nicht überstimmt, psychisch sehr schwer gemacht. Im Fernsehen ist fast nur Kriegspropaganda zu sehen, die eigene Meinung darüber müssen die Menschen aber für sich behalten. „Ich habe das Gefühl, Russland bewegt sich zu einem Abgrund,“ sagt Troitski. Ihm zufolge müssen die Menschen sich mit der Situation abfinden oder dem Land Rücken kehren.

Troitski bringt in den estnischen Medien vor, dass Putin aller Voraussicht nach den Einmarsch in die Ukraine schon bedauert, denn die blutige Ereignisse im Ostukraine und Annexion der Halbinsel Krim haben einen unsäglichen Schaden für die Elite des Landes verursacht. Diejenigen, die in Russland bleiben, leben in innerer Emigration.

Solange Russland seine Grenzen nicht schließt, ist er kein politischer Flüchtling, meint Troitski. Er hat an der Tallinner Universität eine Stelle gefunden und hat auch schon andere Angebote. Das Ehepaar hat eine Wohnung in einem ruhigen Wohngegend von Tallinn gefunden, ein Gegenpol zu den enormen Druck, der in Russland herrschte.

Estland ist für die Familie Troitski kein unbekanntes Land. Schon oft hatten sie hier, im idyllischen Ferienort Võsu ihre Urlaubstage verbracht. Hier hat der Dissident, der aktiv für die Freilassung des Rockband Pussy Riot kämpfte, auch gute Freunde, die beim Einleben im neuen Heimat helfen werden.

Foto: © Dmitri Rozhkow / Wikipedia

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