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Estland erinnert an die Opfer der sowjet-russischen Deportationen

Deportation 1949 im ViehwaggonDeportation 1949 im ViehwaggonHeute jährt sich zum 65. Mal der Tag an dem Sowjets die Balten in Viehwagons nach Sibirien transportierten. Die sogenannten Märzdeportationen im Jahr 1949 waren im Baltikum schon die zweite Welle der grausamen Verschleppungen. Nach der wiederholten Besetzung der baltischen Staaten 1944 reagierte die kommunistische Macht mit der erneuten Verbannungen wegen des aus ihrer Sicht unzureichenden Kollektivierungswillens der Bevölkerung und auf die gegen die Sowjetmacht entstandene Partisanenbewegung. Der Widerstand der „Waldbrüder“ dauerte dennoch bis in die 1950er Jahre.

Am 25. März 1944 wurden aus den baltischen Familien mehr als 92.000 Menschen nach Sibirien verbrannt. Die Operation wurde von insgesamt mehr als 76.000 Sowjet-Russen und deren Kollaborateuren durchgeführt.

Zu Ehren der Opfer der Deportationen werden in ganzen Estland und im Ausland Kerzen angezündet. Um 12 Uhr wird Staatspräsident Toomas Hendrik Ilves am Freiheitsdenkmal in Tallinn von dem estnischen Volk einen Blumenkranz niederlegen. Der Erzbischof der estnischen evangelisch-lutherischen Kirche, Andres Põder, hält danach den Andachtgottesdienst. Die Erinnerungsveranstaltung wird vmn Orchester des Polizei- und Grenzschutzamtes musikalisch umrahmt.

Die Kerzen werden dann um 18 Uhr in Tallinn auf der Freiheitsplatz (Vabaduse väljak) und in Tartu auf der Rathausplatz entzündet. Bürgervereinigungen rufen die Menschen auf, überall Lichter anzuzünden, um an die Opfer der brutalen Verschleppung zu erinnern. Viele Familien gedenken der Verschleppten mit angezündeten Kerzen zu Hause.

Die Aktion findet seit 2010 statt. Mit den Lichter werden die Erinnerungen an die unschuldigen Opfern wach gehalten.

Hintergrund:
Der Hitler-Stalin-Pakt vom 23. August 1939 erklärte die baltischen Staaten zur sowjetischen Interessensphäre. Im Juni 1940 besetzten laut Vereinbarung sowjetische Truppen das Baltikum und verhafteten hunderttausende aus der Gesellschaftselite, von bis dahin bestehenden Parteien, Offizieren, Geschäftsleuten und Grundbesitzern. Im Juli 1941 – bei der ersten Welle der Verschleppungen - setzten Massendeportationen in sibirische Lager ein, aus Estland etwa 11.000, aus Lettland etwa 16.000 und aus Litauen etwa 21.000 Bewohner.

Infolge des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 fand die sowjetische Okkupation der baltischen Staaten ein vorläufiges Ende, wurde aber durch die deutsche ersetzt. Die Generalbezirke Estland, Lettland, Litauen und Weißrussland bildeten nun das „Reichskommissariat Ostland“. Die Hoffnung der baltischen Staaten, von den deutschen Besatzern Unterstützung auf dem Weg in die Unabhängigkeit zu finden, wurde schnell enttäuscht.

Die Rote Armee des sowjet-russischen Diktators Jossif Stalin durchbrach 1944 die deutschen Verteidigungsstellungen in Estland, Lettland und Litauen, was eine Massenflucht der Balten nach Deutschland, Schweden und Nordamerika auslöste (80.000 Esten, 120.000 Letten und 66.000 Litauer).

Im März 1949 kam es dann wieder zu von den kommunistischen Eroberern organisierten Massenverschleppungen. Mit dem Verordnung Nr. 390-138ss des Ministerrates des UdSSR vom 29. Januar 1949 wurde festgelegt, dass aus Estland 7500 Familien (22.500 Menschen), aus Lettland und Litauen waren entsprechende Zahlen 13.000 (39.000) und 8500 (87.000) zu verbannen sind. Die jüngste Deportierte aus Estland war Anne Ojaäär aus der Insel Hiiumaa. Sie war erst drei Tage alt, als sie mit ihre Familie verschleppt wurde. Die Älteste war die 95-Jährige Oma Maria Räägel aus der Gemeinde Abja.

Die grausamen historischen Ereignisse belegen, dass die Angst der Balten von einer neuen russischen Annektierung ihrer, seit 1991 wieder souveränen Staaten, nicht unbegründet ist. Auch ist die Furcht der Krimtataren, nach dem die Halbinsel Krim von russischen Truppen eingenommen wurde, von einem erneuten Verschleppung durchaus berechtigt.

Archivfoto

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