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Treffen der rechtspopulistischen Elite in Koblenz

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Die Rechten machten keinen Hehl daraus, dass sie infolge der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten eine blühende Zukunft auch für sich selbst erhoffen. Im Spiegel-Online erschien am Kongresstag ein Bericht, demzufolge Pretzell auf russische Kosten die von Russland annektierte Schwarzmeer-Insel Krim besucht hatte. Le Pen hatte schon im Vorfeld der russischen pro Kreml-Zeitung Izwestija ein Interview gegeben, in dem sie betonte, dass sie, falls sie Präsidentin wird, alle Sanktionen gegen Russland beenden und die Krim-Annektion anerkennen wird. Jetzt, wo Trump in Washington regiert, können die Hasser der EU und der Gemeinschaftswährung Euro nicht nur auf Beistand von Russland hoffen, sondern auch von den USA. Marine Le Pen (Front National)Marine Le Pen (Front National)

In den Reden wurde vom „unterdrückten europäischen Volk“ gesprochen und die Brüsseler Administration beschimpft. Le Pen, erstmals offiziell in Deutschland, geißelte unter stürmischem Applaus die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wilders meinte, er träume von der Zeit, wo die blonden Frauen ihre Haare wieder offen zeigen dürften. Gegen ihn werden schon seit Jahren, allerdings nicht wegen seiner blondierten Haare, Morddrohungen ausgesprochen. Demzufolge erreichte der Sicherheitsstandard um die Rhein-Mosel-Halle absurde Ausmaße: neben AfD-Freiwilligen, die der Spiegel zurecht als Presse-Stasi bezeichnete, und einer privaten Sicherheitsfirma patrouillierten vor dem Gebäude an die tausend Polizeibeamte.

Als Wilders in seiner Rede auf Israel zu sprechen kam, rief ein kritischer Zuhörer dazwischen und wurde daraufhin „blitzartig aus dem Saal geworfen“. Gegenmeinungen zu äußern oder Fragen zu stellen war den Teilnehmern untersagt. Die Organisatoren erwarteten, dass sie brav klatschen aber ihren Mund halten. Man kennt so etwas aus der Sowjetära, aus der DDR-Diktatur, aber auch vom Hitler-Regime.

Frauke Petrys „dämonische Schönheit“

Besondere Mühe hatte sich Petry bei der Zusammenstellung ihrer Koblenzer Rede gegeben. Die promovierte Chemikerin zitierte emsig Friedrich Nietzsche und anonym Helmut Kohl sowie alte Griechen und Römer. Trotz vieler guten Zutaten fand die Rednerin aus ihrer realitätsfernen Weltauffassung keinen Ausweg.Rauswurf eines ZwischenrufersRauswurf eines Zwischenrufers

Marcus Pretzell gab vor rund einem Jahr zu Protokoll, dass seine Gattin „etwas dämonenhaft Schönes" an sich habe. Er hat Recht. Im Vergleich Le Pen-Petry fiel deutlich auf, dass die elegante Französin extrem charismatisch wirkt und selbst ihre absurdesten Theorien mit rhythmischer Grazie und bezauberndem Lächeln präsentiert. Im (zu) engen hellblauen Minirockkostüm, an dem schon ein kleiner Babybauch zu sehen war, wirkte Petry daneben wie ein DDR-Panzer, der gleich seine Gegner überrollt.

Le Pens Leichtigkeit oder Grandezza hat Petry nicht. Und während die Französin oder ihr holländischer Kollege Wilders – beide erfahrene Politiker – einen Kontakt mit den Medien nicht scheuen, fühlt sich die AfD-Chefin mit jeder Frage persönlich angegriffen. Oft antwortet sie dem Gegenüber mit Grimassen, die offensichtlich die Abwertung des Gesprächspartners signalisieren soll.

Die Teilnehmerzahl bewies indes nicht den Erfolg des Populistenkongresses, denn die Zahl der Gegner betrug ein Vielfaches. Während in der Halle die Rechten und deren Sympathisanten tagten, versammelten sich vor dem Koblenzer Hauptbahnhof an die 5000 Gegendemonstranten, die die Hymne der EU („Ode an die Freude“ von Ludwig van Beethoven) sangen und ergänzten, dass Deutschland ein Land der Braunhemden weder sei noch werden wird.

Dieser Artikel ist in gekürzter Form in der estnischen Tageszeitung Eesti Päevaleht erschienen – Übersetzung aus dem Estnischen Thomas Michael.

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Fotos: Aino und Werner Siebert

Info: Die großen Hoffnungen der Rechtspopulisten

Niederlande: Wahlen im März, der Freiheitspartei wird ein Wahlsieg prognostiziert
Frankreich:  
 
Präsidentenwahl im April oder Mai. Marine Le Pen könnte in die Stichwahl kommen
Deutschland:
  
Bundestagswahl im September, die AfD hat derzeit 13 Prozent Zustimmung
Italien:
  
Parlamentswahl spätestens Mai 2018, die Lega Nord hat 14 Prozent Wählergunst
Österreich:
  
Wahlen im Oktober 2018, die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) hat aktuell 34 Prozent Befürwortung der Wähler

 



 
 

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