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Flüchtlingskrise: Hitlers langer Schatten in Sachsen

Bus mit Flüchtlingen vor dem HeimVon Aino Siebert

Jene Videos haben Deutschland schockiert und die grausamen Zeiten Nazi-Deutschlands in Erinnerung gerufen. Aggressiver Mob, der sich als Volk bezeichnet, gegen schutzlose und unbewaffnete Menschen. Purer Hass, der mit nichts zu entschuldigen ist und auch nichts mit Demonstrationsfreiheit zu tun hat.

Ein Bus des Reiseunternehmens Reisegenuss brachte Flüchtlinge nach Clausnitz im Bundesland Sachsen. Der Name des gecharterten Busses hat mit Schutzsuchenden oder mit der aus der Kontrolle geratenen Situation nichts zu tun. Die Videobilder haben festgehalten, wie ein Reisefahrzeug voller Flüchtlinge, laut Eigenaussage aus dem Iran, Syrien und dem Libanon, wegen Ansammlungen aggressiver Menschenmassen nicht weiterfahren konnte. Etwa hundert Flüchtlingsgegner blockierten die Zufahrt zu einem Asylheim im Erzgebirge und brüllten „Wir sind das Volk!“ Man sieht weinende Frauen und Kinder, die mit der Situation total überfordert waren und Angst hatten.

Als wäre die Lage noch nicht schlimm genug gewesen, auch die Polizei – der Freund und Helfer – ging hart gegen verängstigte Businsassen vor. Die Beamten zerrten heulende Kinder unter Gewaltanwendung aus dem Fahrzeug. Auf einem in sozialen Netzwerken verbreiteten Video ist zu sehen, wie ein Polizist einen Jungen im Affengriff aus dem Bus in das Flüchtlingshaus schleppt. Der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zufolge sagten die Flüchtlinge am nächsten Tag aus, ein Beamter habe einer Frau die Arme auf den Rücken gedreht und sie gezwungen, das Fahrzeug zu verlassen. Man kann davon ausgehen, dass aus Angst vor den gröhlenden Menschen, deren Worte die Schutzsuchenden nicht verstanden, aber deren Wut für sie offenbar war, die Ankömmlinge im Bus bleiben wollten.

Ein aus dem Bus gezerrter Junge ist nach eigenen Angaben 14 Jahre alt und stammt aus Tripoli im Libanon, berichtet dpa weiter. Er sei mit seinem Bruder und seinem Vater seit drei Monaten in Deutschland und war zunächst in Dresden untergebracht worden.

Der Bürgermeister von Clausnitz, Michael Funke, hat gegenüber dem Fernsehkanal ZDF die Medienberichte bestätigt, denen zufolge der Leiter der Flüchtlingsunterkunft und gleichzeitig auch Flüchtlingsbetreuer ein Mitglied der rechtspopulistischen und fremdenfeindlichen Partei Alternative für Deutschland (AfD) ist. Sein Name Thomas Hetze. Der 47-Jährige kandidierte im Mai 2015 für das Amt des Bürgermeisters von Holzhau, einem Nachbarort von Clausnitz. Hetze war ein der wenigen, die über die Flüchtlingsankunft Bescheid wussten. Er beteuerte, seine Informationen nicht an den Mob weiter gegeben zu haben.

Die Polizei hat ihren Einsatz inzwischen auf einer Pressekonferenz verteidigt. Sie gibt Flüchtlingen eine Mitschuld an der aufgeheizten Stimmung, denn drei von ihnen sollen Beamte provoziert haben.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, hat Horst Seehofer (CSU) für die aufgeflammten fremdenfeindlichen Aufstände mitverantwortlich gemacht „Das Schlimme ist, dass dieser Mob sich bei jeder Äußerung von Seehofer und Co. ermuntert fühlen darf. Die unverantwortliche Angstmache von einzelnen Unionspolitikern schafft die Zustände mit, vor denen sie dann warnen“, erklärte sie Medienberichten zufolge in Berlin.

Es wurde eine Petition „Das ist nicht mein Land“ gestartet, in der gefordert wird, die Täter von Clausnitz zu identifizieren und vor Gericht zu stellen. (Deutsche Bearbeitung: Thomas Michael)

Foto: Screenshoot

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