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Deutsch wird in Europäischen Union benachteiligt

Dr. Dietrich VoslamberDr. Dietrich VoslamberVon Erich Lienhart, Brühl

Von einer unendlichen Geschichte und einem Dauerärgernis zugleich, wenn es um die Gleichberechtigung der deutschen Sprache in den Gremien der Europäischen Union (EU) geht, handelte der jüngste Vortrag der Regionalgruppe Ortenau des Vereins Deutsche Sprache ( VDS) im Hotel Palmengarten in Offenburg (Schwarzwald).

Dr. Dietrich Voslamber, ehemals wissenschaftlicher Beamter der Europäischen Atomgemeinschaft mit Lehraufträgen in Bochum, Paris und Brasilien sowie Leiter der VDS–Arbeitsgruppe „Sprachenpolitik in Europa“ verwies in seiner Einleitung auf die unübersehbare Verdrängung der deutschen Sprache aus bestimmten gesellschaftlichen Bereichen, wie z.B. als Wissenschaftssprache, in deren Folge ihr institutioneller Stellenwert verlorengeht.

In einer Präsentation nahm der Referent die interessierten Zuhörer mit auf die Reise durch das Geflecht der Gremien in der EU und erläuterte im Einzelnen deren Bedeutung und Amtssprachverwendung. Während in einigen Gremien und Politikbereichen der deutschen Sprache die volle Gleichberechtigung zuteil wird, ist sie in anderen wichtigen Einrichtungen wie etwa der EU-Kommission, weitgehend unerwünscht, trotz der Tatsache, dass Deutsch die meistgesprochene Muttersprache und zweithäufigste Fremdsprache in der EU ist und auch als eine der drei Verfahrenssprachen gilt. Zwangsläufig erreichen so wichtige Dokumente und Arbeitsunterlagen aus Brüssel den Bundestag nur in englischer oder französischer Sprache, zudem auch nicht selten so kurzfristig vor wichtigen Entscheidungen, dass eine ernsthafte Prüfung kaum mehr möglich ist.

Diese Praxis, so der Wissenschaftler, habe Bundestagspräsident Norbert Lammert und sein Vize, Johannes Singhammer, als eine „systematische Diskriminierung der deutschen Sprache“ mehrfach bei der Kommission gerügt, ohne Aussicht auf Besserung. In der Veröffentlichung nicht übersetzter Ausschreibungsunterlagen erkannte der Vortragende zudem eine wirtschaftliche Benachteiligung deutscher Unternehmen insbesondere des Mittelstandes.

Bei allen berechtigten Klagen über die Benachteiligung der deutschen Sprache in den EU-Gremien mahnte der Redner bei deutschen Politikern, Beamten, Wissenschaftlern und Unternehmern auf der europäischen Ebene das Selbstbewusstsein für eigene Kommunikationsmittel an. Nur so wäre es möglich, Fehlentwicklungen entgegen zu wirken und die Basis einer gleichberechtigten Sprache zu schaffen.

In einer interessanten Darstellung vermittelte Voslamber die unermüdlichen, von Beharrlichkeit geprägten Initiativen des Vereins Deutsche Sprache, die auch, unterstützt von anderen europäischen Sprachgruppen ihre Wirkung nicht verfehlten und zu Erfolgen geführt haben. Beispielsweise konnte der Verein nach jahrelangen Bemühungen erreichen, dass die Internetseiten der halbjährlich rotierenden Ratspräsidentschaften nun auch in deutscher Sprache erscheinen. Auch die Tatsache, dass das „Familienfoto“ der Staats- und Regierungschefs bei einem Gipfeltreffen jetzt nicht mehr nur auf Englisch und Französisch, sondern in allen Amtssprachen der EU beschriftet ist, kann der Verein nachweisbar als Erfolg für sich verbuchen.

Eine von großer Sachlichkeit geführte Diskussion offenbarte die Notwendigkeit weiterer VDS -Aktionen, die sicherstellen sollen, dass Deutsch in den EU-Einrichtungen gegenüber Englisch und Französisch nicht benachteiligt wird und dazu führen, dass alle für den deutschen Bundestag entscheidungsrelevanten EU-Dokumente auch auf Deutsch vorliegen.

Foto: © Erich Lienhart

 

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