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Schwere Vorwürfe gegen Maxima in Riga: Wir werden auf ein Leben im Grab vorbereitet

Am Donnerstag (21. November) ist in Rigaer Stadtteil Zolitūde das Dach des Einkaufszentrums Maxima eingestürzt. Nach bisherigen Behördeninformationen sind 54 Personen dabei ums Leben gekommen. Unter der Toten sind auch drei Helfer. Sieben Personen werden noch vermisst. Die Zahl der Verschwollenen ist mittlerweile nach unten korrigiert worden, weil zunächst Menschen im Supermarkt vermutet wurden, die dann doch woanders gewesen waren und wieder nach Hause kamen. Das Baltikum-Blatt hatte mehrfach berichtet.

Gestern Abend haben die Helfer ihre Suche nach Überlebenden und Toten im Bauschutt beendet, es wurden keine weiteren Opfer der Katastrophe gefunden. Als die Rettungsdienst mit ihre Suche fertig war, kamen noch Rettungshunde ins Einsatz.

Dem lettischen Rettungsdienst zufolge wurden neben der 54 Getöteten noch 39 Personen verletzt, 29 Verletzte sind in Krankenhäuser eingeliefert worden, davon 11 Mitglieder der Rettungsmannschaft. Insgesamt waren in Zolitūde 557 Personen aus ganz Lettland im Einsatz.

Schwere Vorwürfe laut geworden
Die lettische Polizei begann schon am Abend des 21. November mit Ermittlungen. Nach dem ersten Schock und tiefen Trauer wurden erste schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen laut. Wie die lettische Medien berichten, hatte das Personal schon lange gemerkt, dass mit der Gebäude von Maxima etwas nicht stimmt. Die Kritiker möchten jedoch anonym bleiben, denn sie fürchten sich von Repressalien von Seite des Supermarkt Vorstandes.

Die Tageszeitung „Diena“ berichtet über Aussagen von Bauarbeitern, die schon bald nach der Fertigstellung der der Gebäude darauf hinwiesen, dass das Fundament voll Risse sei und neue Stützen bräuchte.

„Die ganze Lagerhalle und die Personalräume standen im Maxima unter Wasser. In der Lagerhalle war das Dach mit Balken gestützt, später wurden diese Stützen wieder entfernt, es wurde gesagt, dass man auch ohne Pfeiler zurecht kommt,“ berichten die Angestellten von Maxima in Zolitūde.

Als dann im Herbst Blumenerde auf das Dach des Supermarkt geladen wurde, machten die Mitarbeiter noch Witze: „Jetzt werden wir auf ein Leben im Grab vorbereitet“. Ein Mann, der früher bei der Maxima für die Sicherheit zuständig war, erzählte, dass das Alarmsystem in der Geschäften der Lebensmittelkette veraltet war, die Anlage konnte nicht Rauch von Staub unterscheiden: „Alle wollten möglichst viel verdienen, für die Sicherheit war kein Geld da,“ wird der Sicherheitsmann in den Medien zitiert.

Das Alarmsignal ist im Markt regulär angesprungen, die Einkaufszentrumsbesucher seien aber nur ein Mal gewarnt und zum Verlassen des Gebäudes aufgefordert worden, schreibt wieder „Delfi“ in Lettland.

Vor einem Jahr erlebte das Handelszentrum Alfa den Dacheinsturz
Letztes Jahr ist im Rigaer Handelszentrum Alfa ebenfalls das Dach eingestürzt, gebaut von der Baufirma Re&Re. Die gleiche Firma baute auch das Dach des Supermarkts Maxima im Stadtteil Zolitūde, gab Evija Ansonska von der Immobilienfirma Linstow bekannt.

Ihrer Aussage zufolge hatte starker Wind am 5. Oktober vergangenen Jahres einen Teil der Fassade mit sich gerissen, am nächsten Tag ist dann das ganze Dach eingestürzt. Damals wurden keine Menschen verletzt und so wurde dieses Desaster nicht an die große Glocke gehängt. Man redete nur von Sturmschäden. Informationen darüber wurden später anonym unter den Namen „Arbeiter von Alfa“ im Internet bereitet. Nach dem Unglückstag waren das Geschäft Bik Bok und der ganze Korpus von Wasser überschwemmt.

Die Geschäftsführung versuchte mit allen Mitteln den Vorfall zu vertuschen, man hatte die Angestellten mit Kündigungen gedroht, falls sie reden, schrieb ein Insider, der seinen Namen nicht bekannt geben wollte. Laut Ansonska kam es zu Einsturz, weil das Regenwasser wegen verstopfte Rohre nicht abfließen konnte. Zigmunds Vīķis, Ex-Chef von Alfa war nicht bereit, die damalige Geschehnisse zu kommentieren.

Im Internet sind noch Beiträge darüber zu finden, dass auch das Parkhaus von Alfa gefährdet sei. Ein ebenfalls anonymer Kommentator, Miterbauer von Ivars hatte geschrieben, dass er schon vor einem Jahr an den Stützen Risse bemerkt hat. Um dies zu überprüfen hat die Immobilienfirma Linstow die Unterlagen dazu bestellt.

Beamten suspendiert, FBI-Experte angekündigt
Der Bürgermeister von Riga, Nils Ušakovs hat die sechs Beamten des staatlichen Bauamtes, deren Unterschriften unter dem Maxima-Bauprojekt stehen, von ihrer Arbeit bis Beendung der Untersuchungen suspendiert.

Der Vorsitzende der Kommission für Staatssicherheit, innere Angelegenheiten und Vorbeugung der Korruption beim lettischen Parlament, Ainars Latkovskis, hat sich an den US-Botschafter in Lettland, Mark Pekala, gewandt und um Hilfe der Ermittlungsbehörde des US-Justizministeriums, Federal Bureau of Investigation (FBI), bei der Ermittlungen des Dacheinsturzes der Einkaufszentrums gebeten. Latkovskis sagte, dass er auf seine Eigeninitiative handelte: „Meine Meinung nach ist das notwendig, denn der Bausektor ist in Lettland eine Branche, die am meisten korrumpiert ist. Schon jetzt stehen viele bestellte Experten im Interessenkonflikt. Die Gesellschaft hat es schwer, ihnen zu vertrauen.“ Latkovskis wollte sich nach eigener Angabe informieren, welche Möglichkeiten das FBI hat, seine Spezialisten nach Lettland zu schicken.

Gleichzeitig versicherte Latkovskis, dass die lettische Ermittlungsbehörde ihre besten Mitarbeiter ausgesucht hat, um Ursache der Katastrophe, bei der so viele Menschen ihr Leben verloren haben, aufzuklären. Doch keine von ihnen sei ein Bauexperte, so der Parlamentarier. „Die USA haben ein Speziallaboratorium, dort wurde unter anderem der Brückeeinsturz von Minneapolis untersucht. Auch dieses Unglück passierte auf Grund von Konstruktionsfehlern. Die Amerikaner haben viele Erfahrungen mit gesellschaftlichen Bauprojekten - wir müssen ihre Erfahrungen und Kenntnisse nutzen,“ so Latkovskis. Er brachte noch vor, dass die Aufklärung nicht an fehlendem Geld scheitern soll: „Wenn für die Untersuchungen positiv ist, müssen wir bereit sein, unseren Staatshaushalt nach oben zu korrigieren um die Spezialexpertisen zu zahlen,“ erklärte das Seima-Mitglied.

Das Portal Pietiek.com meldet heute, dass die Ehefrau von einem der Staatsanwälte, der mit den Ermittlungen des Dacheinsturzes beauftragt ist, im Rigaer Bauamt arbeitet. Es handelt sich um Staatsanwalt Ando Skalbe. Der Kläger soll 94.421 Euro Schulden haben, seine Frau Dace Skalbe hat Kredite in der Höhe von 97.095 Euro und 4181 Lats (5949 Euro) abzuzahlen. Wie der Generalstaatsanwalt Ēriks Kalnmeiers zu diesen Interessenkonflikt steht, ist noch nicht bekannt. Neben Skalbe haben noch Staatsanwältin Jekaterina Kušakova und ihr Kollege Agris Skradailis die Aufgabe die Tragödie in Zolitūde zu prüfen.

Neue Horroraussichten
Heute gab der Archidekt Einars Vilnis in einem Interview für den nationalen Rundfunk LTV bekannt, dass auch das Hochhaus neben dem eingestürzten Einkaufszentrum jede Minute zusammenbrechen kann. Er glaubt, dass das Frontwand des Supermarkts einstürzte, weil sich die Wand des Hochhauses nach vorne bewegte und so Druck auf Einkaufszentrumspaneele ausübte. „Die Paneele des Geschäftes müssen vertikalen Druck aushalten, jetzt ist festgestellt worden, dass sie einen Druck von Seite bekamen,“ erklärte Vilnis.

Eine Rolle soll auch das Feuer gespielt haben, das von einiger Zeit in dem Markt-Gebäude aufgebrochen war. Dadurch sei die Materialstruktur verändert worden. Das erste Materialbruch kam gerade dort zustande, in der Mitte des Daches, wo die Paneele am schwächsten sind.

Wenn die Ruine von Maxima ganz einstürzt, wird auch das Hochhaus neben der Markt umstürzen, glaubt Archidekt Vilnis.

Quellen: Delfi Estland, Delfi Lettland, Rettungsbehörde, Polizei, LTV, Tageszeitung Daina

 

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