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Schlachten-Gedenken

Ehrengarde am Präsidentenpalast (Kadriorg) in TallinnVon Ülo Salm, Berlin

Nach über 700 Jahren Fremdherrschaft über Estland und dennoch bewahrter nationaler Identität ist nachvollziehbar und nicht anders zu erwarten, dass historische Daten, die den Lauf der Geschichte beeinflusst haben, im Gedenken des Landes eine große Rolle spielen. Das gilt insbesondere für die Zeit seit der Erlangung der Unabhängigkeit nach dem Ende des Ersten Weltkrieges. So spielt unter anderem der 100. Jahrestag der Schlacht von Wenden für die historisch Interessierten eine bedeutende Rolle.

Um dem zu gedenken, hatte die Estnische Botschaft in ihrem schönen Hause in Zusammenarbeit mit dem Estnischen Militärmuseum und der Baltischen Historischen Kommission für den 18. Juni eine Vortrags- und Gesprächsveranstaltung organisiert.

Am 23. Juli 1919 fanden bei der in Nordlettland nahe der estnischen Grenze gelegenen Ortschaft Wenden zwischen der estnischen Volksarmee, der deutschbaltischen Landeswehr und der sogenannten Eisernen Division des Deutschen Freikorps Gefechte statt, die mit dem Sieg der estnischen und lettischen Truppen endeten und letztlich in den Kampf gegen Sowjetrussland mündeten, der die Rote Armee nach Russland zurücktrieb. Heute ist es der Sieg gegen die Bolschewiken, der im Bewusstsein der meisten Esten vorherrschend ist, während die Auseinandersetzungen mit den restaurativen Kräften der baltendeutschen Stände weitgehend aus der Erinnerung geschwunden sind - sogar die heute absurd erscheinende Idee, ein deutsches Herzogtum zu gründen.

Die Einzelheiten jener kriegerischen Auseinandersetzungen dürften für Geschichtswissenschaftler, insbesondere Militärhistoriker, interessant sein, die sich auf die Geschichte des Baltikums spezialisiert haben. Sie spielen aber für das normale Publikum, seien es Esten oder Baltendeutsche bzw. deren Nachfahren, eine untergeordnete Rolle.

Leider war Vortrag des Vizedirektors des estnischen Militärmuseums, Toomas Hiio, über die Vorgeschichte der Schlacht, ihren Verlauf und ihre Konsequenzen rhetorisch nicht ganz befriedigend und passagenweise schwer zu verstehen. Dennoch zeigten Teile des Publikums – vermutlich aus familiengeschichtlichen Gründen – großes Interesse. Allerdings bestand die Zuhörerschaft überwiegend aus älteren Besuchern. Junge Menschen waren auf der Veranstaltung kaum vertreten. Es verwundert nicht, wenn es um Ereignisse geht, über die die Geschichte längst hinweggegangen ist, zumal die damaligen Ereignisse nachträglich durch die noch heute nachwirkende gewaltsamer Einverleibung en des Landes in die Sowjetunion hinweggefegt wurden.

In der Zeit der sowjetischen Okkupation waren die zuvor üblichen Siegesfeiern in Estland verboten. Diese Tradition wurde zu Beginn der 90er Jahre wiederbelebt. Das Johannisfest am 23. Juni wird sowohl in der Heimat als auch in der Diaspora alljährlich begangen, so auch dieses Jahr traditionell auf dem Gelände der Europäischen Akademie in Berlin-Grunewald.

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