Ad-Test
Google+
Diese Website selbst verwendet Cookies nur zur Funktionaltät. Die Cookies der
Werbepartner können werberelevante Informationen sammeln und weiterleiten.


Gewalttätige Fundamentalisten gegen Homosexuellen-Kundgebung in Vilnius

CSD-Parade in Karlsruhe, TeilnehmerIn den baltischen Staaten sind die Gleichgeschlechtlichen vielen offenen Anfeindungen ausgesetzt. Litauen, seit Mai 2004 Mitgliedstaat der Europäischen Union (EU) ist, galt schon während der Sowjet-Zeit streng katholisch. Dazu kam noch, dass nicht nur Kirchenmoral, sondern auch Sowjetregime Homosexualität verteufelte.

Auch heute sind unter den 3,4 Millionen Bürgern von Litauen etwa 80 Prozent Katholiken. Obwohl schwul oder lesbisch zu sein nicht mehr staatlich verfolgt wird, hat seit der Wiederherstellung der Unabhängigkeit 1991 der Einfluss der katholischen Kirche zugenommen. Laut Vatikan ist die Homosexualität eine schwere Sünde.

In der EU-Kommission wurden bereits mehrmals bestehende homophobe Gesetze kritisiert, die Gleichgeschlechtlichkeit in die Nähe der Strafbarkeit bringen. Unter anderem hat Litauens Parlament 2009 Informationen über Homosexualität an allen Schulen des Landes verboten. "Das Thema Homosexualität ist in unseren Schulen nicht willkommen", sagte ein Abgeordneter damals der Zeitung "Baltic Times". Für die Anti-Schwulen-Gesetze hatte sich auch die damalige konservative Regierungskoalition unterstützt, die ein "traditionelles Familienmodell" zum Ideal einfordert.

KreuzsymbolDie Menschenrechtsorganisation Amnesty International verurteilte zu jener Zeit den Parlamentsbeschluss als "massive Diskriminierung von Menschen wegen ihrer Sexualität". Zwar lehnte die frisch gewählte Präsidentin Dalia Grybauskaitè das Gesetz ab, jedoch sah sie sich verfassungsrechtlich gezwungen, es nach dem positiven Ausgang der Abstimmung im Parlament zu unterzeichnen.

So wunderte sich niemand, dass die Behörden auch aktuell versuchten, die Ausführung der diesjährigen „Baltic Pride“ in Vilnius zu verhindern. Allerdings ohne Erfolg. Denn letztlich entschied das höchste Gericht, die Parade muss statt finden.

Am 27. Juli zogen schätzungsweise 500-800 Menschen durch die Innenstadt von Vilnius. Es war erst die zweite Pride-Parade in der Geschichte der litauischen Hauptstadt. Die erste Demonstration in Vilnius fand im Jahr 2010 statt und war von aggressiver verbalen und körperlichen Gewalt gegenüber den zum Schutz eingesetzten Polizeibeamten begleitet. Vor drei Jahren protestierten zwei- bis dreitausend Fundamentalisten mit Parolen wie „Tod den Schwulen“, „Päderasten“ und „Litauen den Litauern“. Unter gewaltbereiten Gegner waren ebenfalls etliche litauische Politiker, wie Stanislovas Buškevičius, Petras Gražulis, Vytautas Sustauskas, sowie der rechtsradikale Regionalpolitiker Mindaugas Murza. Wie im Mittelalter bewarfen die Gegner die friedlichen Demonstranten mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkkörpern.

Auch im diesem Jahr hat ein Großaufgebot der Sicherheitskräfte die „Baltic Pride“ gesichert. Mehrere hundert homophobe Aktivisten versuchten wieder mit brutalen Gewalt die friedliche Demonstration zu verhindern. Auch Parade-Teilnehmer wurden körperlich angegriffen, sie wurden mit Flaschen und Eiern beworfen. Rund 50 Fanatiker verhielten sich laut Medienberichten extrem aggressiv, sie versuchten sogar die Bühne der Veranstaltung zu stürmen.

Mit Regenbogenfahnen forderten die Teilnehmer der «Baltic Pride»-Parade mehr Toleranz gegenüber Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen im katholisch geprägten Litauen ein.

Die Polizei gab laut an, dass 28 Fundamentalisten verhaftet und ein Polizist verletzt wurde.

Ein menschenwürdiges und offenes Europa fängt bei den Litauern selbst an. Das müssen die Bürger des baltischen Landes während der EU-Ratsvorsitz lernen. Ihre Arbeit für das gemeinsame Europa wird sich nicht nur daran geschätzt werden, wie erfolgreich Wirtschaftsreformen auf den Weg gebracht wurden, sondern ebenso der Wahrung von freiheitlichen Grundrechten und Menschenwürde. Dazu gehört auch sexuelle Selbstbestimmung. (asie)

Symbolfoto: © Das Baltikum-Blatt / AWSiebert

Folgen Sie uns auch auf Facebook und Twitter ,um immer auf dem Laufenden über Nachrichten aus aller Welt zu bleiben.