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Russische Militärmusiker im Baltikum unerwünscht

Russen verteilen als Zeichen ihren Unbesiegbarkeit überall die St. Georg-Bänder, wie hier in Berliner Tiergarten. „Georgijewskaja lenta“ ist ein Symbol militärischer Tapferkeit. Es wird im weiteren Sinne als Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg gesehen, im engeren Sinne an die Einheiten der Roten Armee, zu dem auch „Alexandrow“-Musikeinheit gehörtRussen verteilen als Zeichen ihren Unbesiegbarkeit überall die St. Georg-Bänder, wie hier in Berliner Tiergarten. „Georgijewskaja lenta“ ist ein Symbol militärischer Tapferkeit. Es wird im weiteren Sinne als Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg gesehen, im engeren Sinne an die Einheiten der Roten Armee, zu dem auch „Alexandrow“-Musikeinheit gehörtEstlands Verteidigungsminister Hannes Hanso hat dem Gesangs- und Tanzensemble „Alexandrow“ der Armee der Russischen Föderation, das nach seinem Gründer Alexander Alexandrow benannt ist, die Einreise ins Land verboten. Sein Verbot begründete das Kabinettsmitglied auf der Webpräsenz seines Ministeriums am 4. März: „Das Ensemble gehört offiziell zum russischen Militär und ist dem Verteidigungsministerium der Russischen Föderation unterstellt. Die Zusammenarbeit mit den russischen Streitkräften ist im März 2014 beendet worden, nachdem Russland die zur Ukraine gehörende Schwarzmeer-Halbinsel Krim annektierte und seine Aggression in den Gebieten der Ostukraine begann.“

Laut estnischem Gesetz dürfen sich Vertreter ausländischer Streitkräfte nur mit einer Genehmigung des Verteidigungsministers auf dem Territorium Estlands aufhalten. Das nun abgesagte Konzert war auf den 21. Mai terminiert.

Widerstand auch in den Nachbarländern

Bereits im vergangenen Herbst hatte es in den baltischen Staaten Kontroversen über geplante Auftritte des Ensembles gegeben, da etliche Darbietungen die sowjetische Rote Armee und die russische Annektion der Krim glorifizieren. Auf Grund dessen wurde der Gruppe die Einreise verweigert, und die Konzerte wurden abgesagt. Lettlands Außenminister Edgars Rinkēvičs sagte dem Nachrichtenportal Delfi zufolge, dass so ein Gastspiel als ein Einzug russischer Truppen in Lettland verstanden werden kann, denn es handele sich um eine Formation des Militärs des Landes. Rinkēvičs betonte, dass ein Auftritt der Künstler in Armeeuniformen angesichts der gegenwärtigen politischen Situation und der Spannungen nicht begrüßenswert sei.

Ende Oktober vergangenen Jahres hat zudem ein Kulturzentrum in Visaginas im Nordosten Litauens einen für den 6. Dezember angekündigten Auftritt der „Alexandrow“-Gruppe wegen dessen „ideologisch gefärbten Repertoires“ abgesetzt. Die Veranstaltung sollte dem 70. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion im Großen Vaterländischen Krieg gewidmet sein. Der Triumph im Großen Vaterländischen Krieg 1945 bedeutete de facto auch den Sieg über Hitlerdeutschland, woraufhin Moskau die baltischen Staaten okkupieren ließ. Die Besetzung dauerte bis 1991 an. Dementsprechend muss hinterfragt werden, warum die Angehörigen der russischen Streitkräfte ausgerechnet in Litauen einen Sieg feiern müssen.

Das Gesangs- und Tanzensemble der russischen Armee (damals Rote Armee) wurde 1928 von Generalmajor Alexander Alexandrow, dem Autor der Musik zur Nationalhymne der Sowjetunion, jetzt der Russischen Föderation, gegründet. Die amtliche Bezeichnung lautet „Zweifach mit dem Rotbannerorden ausgezeichnetes Akademisches Gesangs- und Tanzensemble der russischen Armee, A.W. Alexandrow“. Von 1946 bis 1987 wurde die Gruppe vom Sohn des Gründers, Generalmajor Boris Alexandrow, geleitet. Aktuell gehören zu dem Ensemble ein Männerchor, ein Orchester und eine Tanzgruppe. Das Repertoire reicht von russischen Volksliedern über Kirchenlieder und Opernarien bis zu modernen Stücken. Bekanntlich nimmt die Militärmusikgruppe musikalisch aber auch am Propagandakrieg des amtierenden Präsidenten Wladimir Putin gegen den Westen teil.

Alexandrow-Männerchor auf der Helene Fischer Show

Schon zu Weihnachten 2013 kam es befremdlich vor, dass die russlanddeutsche Sängerin Helene Fischer den Alexandrow-Männerchor – genannt „The Red Army Choir“ (Chor der Roten Armee) in ihre ZDF-Show eingeladen hatte.

Die Rotarmisten aus Russland traten auf der Bühne mit ihren Prachtuniformen auf. Damit wollten sie auf die Macht des heutigen Putin-Reiches hinweisen – Macht eines Landes, in dem nicht nur die Rechte sexueller Minderheiten, sondern auch die von Regimekritikern tagtäglich verletzt werden. Das haben vor allem die langen Haftstrafen von Michail Chodorkowski und den Pussy-Riot-Sängerinnen Nadeschda Tolonnikowa und Maria Aljochina in Straflagern, aber auch das Kreml-Schwert am Kopf des Putin-Gegners Alexei Navalny und anderen Dissidenten deutlich gezeigt.

Doch dies beeindruckte die populäre deutsche Sängerin nicht: Zwischen den Rotarmisten schwebte sie wie eine Unschuldsgöttin, als hätte sie nie von den menschenverachtenden Zuständen im Putin-Reich gehört.

Dies scheint aber unwahrscheinlich, denn Fischer wurde 1984 im sibirischen Krasnojarsk in der damaligen Sowjetunion geboren. Ihre Eltern sind Russlanddeutsche, die ebenso unter dem kommunistischen Regime zu leiden hatten. Die Großeltern der Künstlerin waren Wolgadeutsche, die 1941 nach Sibirien deportiert wurden. Als Helene vier Jahre alt war, übersiedelten ihre Eltern 1988 mit ihr und ihrer sechs Jahre älteren Schwester nach Wöllstein in Rheinland-Pfalz. Vor diesem Hintergrund muss man sich wundern, mit welcher Leichtigkeit Helene Fischer mit den Rotarmisten geflirtet hatte.

Grobe Menschenrechtsverletzungen

Heute ist die Liste der groben Menschenrechtsverletzungen in Russland noch länger geworden. Nur drei Monate nach dem damaligen Konzert Fischers wurde die Krim von russischen Truppen annektiert, und es begannen blutige militärische Auseinandersetzungen in der Ostukraine, die Moskau mit Soldaten und Waffen unterstützt.

Im Juli 2014 wurde das Flugzeug der Malaysia-Airlines über der Ostukraine abgeschossen. Das Absturzgebiet lag im Kampfgebiet. Die Trümmer gingen nahe der Stadt Tores nieder, verstreut über eine Fläche von 35 Quadratkilometern. Alle 298 Insassen, darunter 80 Kinder und 15 Besatzungsmitglieder, kamen ums Leben. Gemäß dem technischen Untersuchungsbericht handelte es sich um einen Abschuss durch eine Flugabwehrrakete im Zusammenhang mit dem militärischen Konflikt, der von Russland aktiv unterstützt wird. Moskau bestreitet dies. Die bereits am Tag der Katastrophe veröffentlichten Vermutungen über die Beteiligung einer Lenkwaffe des Systems Buk hatten sich schon verdichtet, als am 2. Juni 2015 der Hersteller das Vorhandensein von Buk-Fragmenten in den Trümmern bestätigt hatte. Buk ist ein in der Sowjetunion entwickeltes Flugabwehrraketensystem mit Feststoff-Antrieb und radargestützter Zielerfassung, das zur Abwehr von Militärflugmaschinen dient.

Alexander Litwinenko, einst Mitarbeiter des sowjetischen bzw. russischen Geheimdienstes und Ex-Kollege des Kremlchefs Putin, später sein scharfer Kritiker, wurde im November 2006 in London mit Polonium ermordet. Die Spuren führten gleich nach Moskau. Die Untersuchung der Todesursache wurde durch den Richter Sir Robert Owen geleitet. Am 21. Januar wurde sein Bericht vorgestellt. Sir Owen kam zu dem Ergebnis, dass der russische Geheimdienst den Mord in Auftrag gegeben hat und die Operation „wahrscheinlich“ von Präsident Putin gebilligt wurde.

Vor einem Jahr wurde zudem der zweite Putin-Kritiker, Boris Nemzow, an der Mauer der russischen Machtzentrale, des Kreml, erschossen. (asie/tmich)

Foto: ©Pressedienst des Kreml

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