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13. Studenten-Seminar über baltische Geschichte in Lettland

Liepāja-Panorama von KulmalukkoLiepāja-Panorama von KulmalukkoVon Babette von Sass, Berlin

Herzlich wurden die Teilnehmer, 30 lettische Studenten und andere interessierte Gäste, von der Leitung der Universität in Liepāja (deutsch: Libau) zu dem 13. Baltischen Studenten-Seminar vom 5. bis zum 7. Oktober 2015 begrüßt. Liepāja ist eine Hafenstadt im Westen Lettlands an der Ostsee. Mit knapp 80.000 Einwohnern ist sie die drittgrößte Stadt des baltischen Landes.

Wie in den vergangenen Jahren begann Dr. Tilmann Plath (Universität Greifswald) die Tagung mit einer rundum Einführung in die baltische Geschichte, die im 12. Jahrhundert mit der Christianisierung begann.

Ruta Brusbarde M.A. ging mehr in die Tiefe, indem sie mit Altlivland begann und die Zeit des Mittelalters bis etwa 1561 behandelte. Im dritten Vortrag befasste sich Dr. Manfred von Boetticher mit der Hanse und dem deutschen Anteil an ihr. Hanse ist die Bezeichnung für die zwischen Mitte des 12. Jahrhunderts und Mitte des 17. Jahrhunderts bestehenden Vereinigungen niederdeutscher Kaufleute, deren Ziel die Sicherheit der Überfahrt und die Vertretung gemeinsamer wirtschaftlicher Interessen besonders im Ausland war. Doch neben der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen standen noch politische und kulturelle Beziehungen am Tagesordnung.

Durch die Hanse wurde Lettland stark mit dem Westen Europas verbunden und profitierte von Vereinigung wirtschaftlich sehr stark. Besonders Riga erblühte durch den verschiedenartigen Handel mit der Hanse.

Der Theologe und Pastor Dr. Gundars Ceipe (Riga / Lettland) berichtete von der frühen Reformation im Baltikum, die von Deutschland (Lübeck, Königsberg (heute russische Enklave Kaliningrad), Rostock) aus in die baltische Ländern getragen und in der Petri-Kirche von Riga, bereits 1522 manifestiert wurde. Der Religionswissenschaftler erklärte den jungen Menschen zudem was Glaube ist und, wie man ihn finden und leben kann.

In das Herzogtum Kurland (lettisch: Kurzeme 1561-1798) und Semgallen (lettisch: Zemgale) führte Professor Dr. Mārīte Jakovleva (Universität Riga) detailliert ein. Kurland liegt südwestlich des Flusses Daugava (deutsch: Düna) und bezeichnet den von Ostsee und Rigaer Meerbusen umfassten Westteil des Landes um die Städte Liepāja und Ventspils (deutsch: Windau). Die Hauptstadt war bis 1919 Jelgava (deutsch: Mitau). Kurland war und ist eine wichtige Region im Baltikum. Heute gehört es zu Lettland.

Prof. Dr. Ineta Balode (Universität Riga) behandelte anschaulich die Bedeutung der deutsche Sprache für Lettland. Experte für die Herrnhuter im Baltikum ist Professor Dr. Gvido Straube, ebenfalls aus der Universität Riga. Er erklärte den Seminarteilnehmern ihre Bedeutung für Livland (ist die Bezeichnung für eine historische Landschaft im Baltikum. Der Name leitet sich vom finno-ugrischen Volksstamm der Liven ab) und den Zusammenhang mit dem nationalen Erwachen der Letten. Livland umfasst die Gebiete der heutigen Staaten Estland und Lettland im damaligen Meistertum Livland des Deutschordensstaates.

Über die Zeit der ersten Selbstständigkeit des Landes von 1918 bis 1939, erreicht im Wirren des Ersten Weltkrieges, berichtete anschließend Dr. Plath.

Am letzten Seminar-Tag erfuhren die Veranstaltungsteilnehmer von Dr. Raimonds Ceruzis (Universität Riga) was in der Zwischenkriegszeit im selbstständigen Lettland geschah. Die Deutschen wurden ihrer Vormachtpositionen enthoben, enteignet und hatten Schwierigkeiten ein normales Leben weiter zu führen. Viele Deutschbalten verließen bereits 1920 das Land, weil sie keine Existenzgrundlage mehr hatten.

Mit der Umsiedlung der Deutschbalten aus Lettland in den Warthegau im Jahr 1939, entstanden auch für Lettland große Schwierigkeiten im Wirtschafts- Kultur- und Bildungswesen. *)

Dr. Jānis Keruss (Universität Riga) berichtete über die dramatischen Fluchtwege der Fischer aus Lettland während der langen Okkupationszeit durch die Sowjets (zum zweiten Mal wurde das Land durch Sowjetunion 1944 besetzt), die immer wieder versuchten, nach Schweden zu gelangen. Über deren Schicksal ist nur wenig bekannt.

Sehr interessante und dramatische Ausführungen, gerade für die junge Generation, die mit derartigen Berichten selten konfrontiert wird.

Wie die Seminare in den 12 Vorjahren bedeutete das diesjährige wieder eine sehr wichtige und nötige Bildungsbereicherung. Jeder teilnehmende Student erhielt ein Zertifikat, das ihm sicher behilflich für eine weitere Fortbildung sein wird.

Der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sei für die finanzielle Unterstützung, die dieses Seminar ermöglicht hat, herzlich gedankt.

*) Anmerkung der Redaktion:Am 28. September 1939 einigten sich der Chefdiplomat des deutschen Diktators Adolf Hitler, Joachim von Ribbentrop und sein sowjetischer Amtskollege Wjatscheslaw Molotow in Moskau auch über die Umsiedlungsfrage und verfassten ein vertrauliches Protokoll, dessen Kernsatz lautet: „Die Regierung der UdSSR wird Persönlichkeiten deutscher Abstammung, sofern sie den Wunsch haben, nach Deutschland oder in die deutschen Interessengebiete überzusiedeln, hierbei keine Schwierigkeiten in den Weg legen“. Die Interessenspähren der Nazis und Kommunisten waren mit dem Geheimveträgen des Hitler-Stalin Pakts am 23. September 1939 festgelegt worden. Es ging darum, die in das Reich eingegliederten Provinzen Westpreußen, Wartheland und die süd-ostpreußischen und oberschlesischen Gebiete möglichst rasch „einzudeutschen“, den hohen polnischen Bevölkerungsanteil drastisch zu verringern und den jüdischen ganz zu beseitigen.

Quelle:Professor Dr. Erich Müller
Lesen Sie auch: Flucht übers Meer von René Drommert – Quelle: Die Zeit vom 5. Mai 1995

Foto: Lizenziert unter CC BY 3.0 über Wikimedia Commons

 

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