Das Baltikum-Blatt

Baltikum

Präsident Lettlands fährt nicht nach Moskau

Veröffentlicht: 30. Januar 2015

Präsident Lettlands Andris BērziņšPräsident Lettlands Andris BērziņšAndris Bērziņš ist ein bescheidener Mann. Das lettische Staatsoberhaupt lenkt selbst sein Auto, geht wie jeder Normalbürger des Landes selbst einkaufen und spendet sein Monatsgehalt verschiedenen Schulen.

Doch im Bezug von Russland ist Bērziņš oft andere Meinung als seine Landsleute. Anderes als seine Amtskollegen in Estland und Litauen, wollte der erste Mann in Lettland an den Feiern zum 70. Jahrestag zum Ende des Zweiten Weltkrieg in Moskau teilnehmen, obwohl die offizielle lettische Geschichte die sowjetische Zeit bis 1991 als kommunistisch-russische Okkupation betrachtet. Das bis 1940 unabhängige Land wurde nicht - genau so wie Estland und Litauen - von Roten Armee befreit, wie Russland noch heute behauptet, sondern gemäß des Stalin-Hitler-Paktes von 1939 besetzt und zur Mitgliedschaft in der Sowjetunion gezwungen.

Die baltische Staaten, die ihre Souveränität von der Sowjetunion 1991 wieder erlangt haben, feiern amtlich das Siegesfest nicht. Nur die russische Minderheit in der baltischen Ländern erinnert sich noch am 9. Mai an der Sieg den Roten Armee,

Die Einladung aus Moskau kam im Dezember 2014. Estlands Präsident Toomas Hendrik Ilves und seine litauische Amtskollegin Dalia Grybauskaitè kündigten rechtzeitig an, der Siegesfeier in Russlands Hauptstadt fernzubleiben. Nach langen Schweigen hat Bērziņš nun auf der Webseite des Präsidialamtes mitgeteilt, dass auch er nicht nach Moskau fahren wird. Der Staatsoberhaupt schreibt, angesichts der Gewalteskalation in der Ost-Ukraine durch prorussischen Truppen sei es ihm unmöglich, dem „Tag des Sieges“ am 9. Mai in Moskau beizuwohnen.

Der lettische Außenminister Edgars Rinkēvičs begrüßte diese Entscheidung. Er habe laut einem Bericht der „Baltic Times“ mehrfach mit dem Präsidenten gesprochen und ihm die aktuelle politische Konstellation mitgeteilt. Vor allem herrschen Bedenken, dass die Feierlichkeiten Anlass sein können, die Aneignung (russische Version „Befreiung“) der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim fast vor einem Jahr herauszustreichen.

Foto: Pressefoto