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Litauen bekommt den Euro

 

Chef der Zentralbank Litauens, Vitas VasiliauskasChef der Zentralbank Litauens, Vitas VasiliauskasNach Estland (2011) und Lettland (2014) hat am 1. Januar 2015 auch Litauen die europäische Gemeinschaftswährung Euro eingeführt. Das größte Baltenstaat ist das 19. Mitglied im Euroland. In der Euro-Zone leben damit nun insgesamt 337 Millionen Menschen.

Wie die Zentralbank Litauens mitgeteilt hat, lief der Euro-Start problemlos. Der Wechsel von der bisherigen Währung Litas auf den Euro sei wie geplant und ohne Zwischenfälle verlaufen, sagte Zentralbank-Chef Vitas Vasiliauskas. Die Bankautomaten seien erfolgreich auf die europäische Gemeinschaftswährung umgestellt worden. Den ersten Zehn-Euro-Schein zog in Vilnius der Premierminister des Landes, Algirdas Butkevičius. Er erklärte: «Der Euro wird die Garantie für unsere wirtschaftliche und politische Sicherheit sein».

Der Finanzminister Litauens, Rimantas Šadžius brachte vor, dass Euroeinführung ein „historischer Moment“ für das Land sei. Der frühere lettische Regierungschef und jetzige für Euro zuständige EU-Kommissionschef in Brüssel, Valdis Dombrovskis sagte «Dies ist ein symbolischer Moment nicht nur für Litauen, sondern auch für die Eurozone selbst, die stabil, attraktiv und offen für neue Mitglieder bleibt.»

Litauens Staatspräsidentin Dalia Grybauskaitè brachte in ihrer Neujahrsansprache vor, mit dem Euro habe das Land die Möglichkeit, sich «weiter zu entwickeln und zu einem modernen europäischen Staat zu wachsen.»

Zur Einführung des Euro in Litauen erklärte deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Berlin: „Wir dürfen heute Litauen als 19. Mitglied der Euro-Zone willkommen heißen. Der Weg in die Gemeinschaftswährung ist schwierig, das Land musste strenge Kriterien erfüllen. Das ist wichtig, denn als Partner in einer Währungsunion sind wir auch Teil einer besonderen Verantwortungs- und Solidaritätsgemeinschaft. Dass Litauen diesen Weg, wie zuvor seine baltischen Nachbarn, nun gemeistert hat, ist eine beeindruckende Leistung.“

„Wenn mit Lettland als EU-Ratspräsident und Litauen als neues Mitglied der Euroland heute zwei baltischen Staaten im Scheinwerferlicht der europäischen Bühne stehen und ihr bemerkenswertes Engagement für Europa beweisen können, ist das historisch gesehen keine Selbstverständlichkeit. Eindrucksvoll erlebe ich bei meinen Besuchen in den baltischen Ländern den Willen, unverbrüchlicher Teil des europäischen Projekts zu sein. Davon profitieren nicht nur die Menschen dort, davon profitiert ganz Europa,“ so Steinmeier weiter.

Auch der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi begrüßte die erneute Erweiterung des Euroraums. In einem Pressemitteilung würdigte er die Leistungen des Landes: „Litauen hat in schwierigen Zeiten «außergewöhnliche Maßnahmen» ergriffen, um der Währungsunion beitreten zu können“.

Litauen erfüllte nach einem harten Sparkurs in der Finanzkrise 2009, in der die Wirtschaft 2009 um rund 15 Prozent einschrumpfte, ohne Schwierigkeiten alle Kriterien zum Beitritt in die Euro-Zone. Dem Umfragen zufolge haben nach der Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung viele Bürger Angst vor einer Preiserhöhung, viele trauern auch ihren eigene nationalen Währung, Litas nach. Doch der Großteil der Bevölkerung sieht im Angesichts der Krise in der Ukraine und den Schwierigkeiten mit dem großen Nachbarland Russland in der Euro-Einführung eine noch engere Bindung an den Westen. Nach langen Jahren der sowjetischen Okkupation löste Vilnius sich 1991 von der Moskau. Litauen ist, wie auch seine baltische Nachbarstaaten Estland und Lettland seit 2004 Mitglied in der EU und der westlichen Militärbündnis NATO.

Litauens steiniger Weg zur Euro-Einführung
Ursprünglich wollte Litauen den Euro vor acht Jahren einführen. Der damalige Finanzminister Zigmantas Balčytis reichte am 16. März 2006 die Unterlagen zur Euro-Einführung trotz einer Vorwarnung der Europäischen Kommission ein. Beim Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs am 15. und 16. Juni 2006 in Brüssel wurde dann, wie erwartet, Litauens Antrag abgelehnt. Grund dafür: Die EU-Kommission und die EZB akzeptierten die Postion der EU-Finanzexperten nicht, um die eigene Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren. Litauen könnte, so die Befürchtung, ein Präzedenzfall für die künftige Euro-Einführung in den mittel- und osteuropäischen Ländern (MOEL) werden. Gleichzeitig war höchst fraglich, ob Litauen für die Euro-Zone überhaupt eine Belastung darstellen konnte. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes erreichte 2005 nur 4/5 des kleinsten deutschen Bundeslandes Bremen. Darüber hinaus hatte Litauen, genau so wie Estland vor dem Euro-Beitritt 2011, seine nationale Währung Litas mit einem Currency Board fest an den Euro gebunden.

Am 27. Juni 2014 kam dann endlich grünes Licht aus Brüssel, die EU-Staats- und Regierungschef gaben ihre Zustimmung zum Euro-Beitritt Litauens.

Foto: © Lietovos Bankas

 

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