Ad-Test
Google+
Diese Website selbst verwendet Cookies nur zur Funktionaltät. Die Cookies der
Werbepartner können werberelevante Informationen sammeln und weiterleiten.


Forderung in Russland: Das Land soll Öltransporte durch baltische Staaten aufgeben

Eisfreier Tallinner HafenEisfreier Tallinner HafenVon Aino Siebert

Den russischen staatlichen Nachrichtenagentur RIA Nowosti zufolge berichtet die Zeitung „Novyje Iswestii“ („Neue Nachrichten“) am 25. September, dass Experten dem Kreml nahelegen, die Öltransporte durch die baltischen Häfen zu beenden.

Estlands eisfreie Seehäfen wichtig für Russland
Alle drei baltische Länder haben große Seehafen. Die estnische Häfen sind schon seit Zeiten des Zaren Peter dem Großen (1672-1725) heiß begehrt, weil sie auch im Winter nicht einfrieren. Muuga, 17 Kilometer von Hauptstadt Tallinn entfernt, ist heute der größte und tiefste Handelshafen des Landes.

Die Bucht von Muuga am Finnischen Meerbusen ist etwa 20 Meter tief und das ganze Jahr über eisfrei. Sie verfügt über eine exzellente Infrastruktur. Der größte Teil des estnischen Seehandels wird hier abgewickelt. Der Muugaer Hafen spielt auch eine große Rolle beim russischen Öltransport. Eigentümer ist die Tallinner Hafen AG (Tallinna Sadam), die dem estnischen Staat gehört.

Der zweite wichtige Hafen in Estland ist Paldiski (auf Russisch: Baltiskij Port). Er liegt rund 50 Kilometer westlich von Tallinn auf der Halbinsel Pakri. Nachdem das russische Zarenreich, geführt vom Imperator Peter dem Großem, das Baltikum erobert hatte, wurde 1718 in der Pakribucht der Grundstein für einen Flottenstützpunkt gelegt. Paldiski, ebenso ein eisfreier Hafen, diente lange Jahren als Handelshafen nicht nur für Tallinn, sondern auch für russische Metropole St. Petersburg. Hier trafen sich im übrigen der deutsche Kaiser Wilhelm II. und Zar Nikolaus II. von Russland am 4. Juli 1912 zu Gesprächen.

Nach dem Abschluss der geheimen Protokollen des Hitler-Stalin Paktes in Moskau erzwang die Sowjetunion 1939 von der Republik Estland die Einrichtung eines Militärstützpunktes in Paldiski. Am Ende der anschließenden deutschen Besetzung (1941-1944) wurde die wichtige Hafenstadt erneut bis 1989 zu einer Militärbasis und einem U-Boothafen der sowjetischen Streitkräfte. Ab 1960er Jahren war in Paldiski ein Trainingszentrum für Mannschaften der nuklearen Unterseeboote der Marineeinheiten der Roten Armee.

Heute ist die Stadt ein Stützpunkt der estnischen Seestreitkräfte, daneben aber auch ein bedeutender Handelshafen. Auch hier besteht ein regelmäßiger Frachtverkehr von der Ostsee aus auf dem Landweg weiter nach Russland. Die Reederei Tallink betreibt hier noch eine Fährverbindung zwischen Paldiski und Kapellskär in Schweden.

Neben Muuga und Paldiski laufen im Hafen von Hauptstadt Tallinn nicht nur Reisefähren, sondern auch Frachtschiffe auf Halbinsel Paljassaari ein. Dank ihren geographischen Lage ist dieser Hafen gut von Winden und Wellen geschützt. Die Schiffe laufen ein und aus durch einen Kanal, deren Länge 800 Meter und Tiefe 9 Meter ist. Paljassaari ist ebenso ein wichtiges Umschlagplatz für Erdölprodukte aus Russland.

Reich durch Rohöl
1939 installierte die Rote Armee eine Militärbasis in Ventspils, die mit der kurzen Unterbrechung durch Besatzung der deutschen Wehrmacht (1941-1945) bis zu Wiedererlangung der Souveränität des Staates im Land geblieben ist. Unter sowjetischer Herrschaft wurde eine Öl-Pipeline aus Russland nach dem lettische Ventspils errichtet, die Stadt avancierte zu einem der wichtigsten Häfen für den Rohöl-Export der Sowjetunion. Der eisfreie Hafenstadt im Westen des Landes an der Einmündung des Flusses Venta in die Ostsee war ein wichtiger Umschlagsort für russisches Öl und Kohle. Die Einnahmen zwischen 250 und 300 Millionen US-Dollar aus dem Ölhandel machen auch heute mehr als ein Drittel der gesamten Haushaltseinnahmen Lettlands aus. Durch die Einnahmen des Hafens ist Ventspils heute eine der finanzkräftigsten Metropolen Lettlands.

Auch die lettische Hauptstadt Riga hat einen der bedeutenden Handels-, Reisefähr- und Fischereihafen des Landes. Dazu gehört auch ein Marinestützpunkt. Der Hafen lag hier schon immer an der Fluss Daugava. Mit dem Anschluss an das gesamtrussische Eisenbahnnetz wuchs die Bedeutung Rigas als Seehafen enorm an - zwei weitere Häfen im Stadtgebiet wurden angelegt: Bolderāja und Vecmīlgrāvis.

Klaipėda profitiert von eisfreiem Hafen
Auch das größte baltisches Land – Litauen, profitiert von seinem eisfreien Hafen. Der Hafen Klaipėda ist der größte Hafen des Landes und er friert im Winter ebenso, wie die Seehäfen in Lettland und Estland, nicht ein. Dementsprechend laufen in Klaipėda jährlich rund 7000 Schiffe an. Das Hafengelände ist etwa 500 Hektar groß. Unter der Herrschaft des preußischen Königs Friedrich dem Großen (1712-1786) erlebte der Handel hier eine formidablen Expansion. Deshalb wurden im Mitte des 18. Jahrhunderts erste neue Ausbauten des Ostsee-Hafens vorgenommen. Einen wirtschaftlichen Höhepunkt erlebte der litauische Hafen während des Krimkrieges 1853-1855. Da die russische Häfen von England und Frankreich blockert waren, musste ein großer Teil des russischen Handels über Memel (der deutsche Name für Klaipėda) abgewickelt werden. Während der kommunistischen Besatzung erfolgte nach dem Kriegsende der Ausbau zum Fischerei- und Handelshafen der Litauischen Sozialistischen Teilsowjetrepublik. Das Handel allgemein, und die Arbeit verschiedenen Betriebe, wie Schiffsbauwerft, war nicht Vilnius, sondern direkt Moskau untergestellt. Nach der Wiederausrufen der Republik Litauen 1991 begannen in Klaipėda aufwendige Modernisierungsarbeiten der Hafen. Heute können hier Schiffe bis zu 195 Meter Länge mit bis zu 10,5 Meter Tiefgang abgefertigt werden. Außerdem nutzen zahlreiche Passagiere den Fährhafen von Klaipėda, es gibt auch eine Verbindung nach Kiel in Deutschland.

Klaipėda liegt rund 120 Kilometer nordöstlich von Kaliningrad, ehemaligen königlichen Haupt- und Residenzstadt Königsberg in Preußen, auf dem Festland an der Mündung der Fluss Danè (auf Deutsch: Dange) in das Kurische Haff.

Experte Igor Juschkow: Russland kann auf baltische Staaten verzichten
Warum Russland feindlich eingestellte Länder unterstützen sollte, können das russische Finanzministerium und der Öltransitkonzern Transneft erklären, berichtet die Zeitung „Novyje Iswestii“. Vor kurzem hatte Russland wenige alternative Wege für die Öltransporte. Jetzt aber wurden neue Häfen in russischen Orten Primorsk und Ust-Luga (beide im Gebiet St. Petersburg) gebaut und der Hafen in Noworossijsk (Region Krasnodar) erweitert. „Dank den kürzlich gebauten Ölleitungen BTS und BTS-2 (russische Abkürzung von „Baltisches Pipeline-System“) konnte Russland auf die Dienste mehrerer Transitländer verzichten“, sagte Igor Juschkow vom Fonds für nationale Energiesicherheit der Zeitung zufolge. Die neue Seehäfen wurden gebaut, um, unter anderem, den Transit durch baltischen Ländern zu beenden. Ferner meint Juschkow, dass nach dem Verzicht der baltischen Seehäfen würden viele neue Arbeitsplätze in Russland entstehen und auch die Einnahmen könnten bis zu Milliarden Rubeln in zweistelligen Bereich erreichen.

Ostsee verkraftet keine neue Tanker mehr
Primorsk liegt an der Nordküste des finnischen Meerbusens. Hier befindet sich der größte Ölverladehafen der Ostsee, denn die Stadt ist seit 2001 westlicher Endpunkt des Baltischen Pipelinesystems. Im Hafen von Primorsk können gleichzeitig vier Erdöltanker beladen werden. Ust-Luga liegt wiederum bei der Mündung des Flusses Luga in die Ostee. Die kleine Siedlung ist einen Steinwurf von der Grenze zu Estland entfernt. Der deutsche Naturschutzbund NABU befürchtete schon vor zwei Jahren, dass ein Unfall zu einer Ölkatastrophe in der Ostsee führen könnte. Schon bei den Bauarbeiten an einem Öldock in Ust-Luga 2011 traten laut NABU Einsturzstellen auf. Auch wurde die Inbetriebnahme wegen technischer Probleme mehrfach verzögert. Mit den Transporten über Ust-Luga hat Russland die Möglichkeit, Öl und Kohle aus dem Ural an mitteleuropäische Staaten zu liefern, ohne Weißrussland durchqueren zu müssen.

Auch der World Wide Fund For Nature (WWF), eine der größten internationalen Naturschutzorganisationen der Welt, kritisierte vor einige Jahren die Überlegungen Russlands, künftig mehr Öl mit Tankern über die Ostsee nach Europa zu transportieren. Die Schifffahrtsrouten auf der Ostsee sind dicht, die Zahl der Unfälle hat sich mehr als verdoppelt und noch mehr Tanker steigern das Risiko einer Ölpest noch weiter.

Auch ohne Ausbau der Erdöltransporte aus der neuen russischen Ostsee-Häfen ist der Ölumschlag über die europäische Binnenmeer ständig gestiegen. Bislang ist die Ostsee nur mit viel Glück an einer großer Ölkatastrophe vorbei geschrammt. Die geringe Tiefe des Binnenmeeres machen das Steuern der Schiffe hier äußerst kompliziert. In der Kadetrinne vor der deutschen Seeufer ist das Fahrwasser nur 800 Meter breit und 17 Meter tief. Die Meerestransporter haben einen Tiefgang von etwa 15 Metern. Es bedeutet, die große Schiffe müssen sich äußerst achtsam durch dieses Nadelöhr durchnavigieren. Seit 2006 gilt der größte Brackwassermeer der Welt als „Besonders Empfindliches Meeresgebiet“ (PSSA). Angesichts des flachen Gewässers und des marginalen Wasseraustausches wären die Folgen einer Ölauslauf in die Ostsee für die Umwelt weitaus bedenklicher als zum Beispiel beim Apokalypse der auf der Bahamas registrierten Öltanker „Prestige“ vor der spanischen Atlantikküste im Jahr 2002. Am Tag des Unglücks transportierte das Transportschiff 77.000 Tonnen Schweröl von Lettland nach Singapur.

Foto: © Das Baltikum-Blatt / AWSiebert

Folgen Sie uns auch auf Facebook und Twitter ,um immer auf dem Laufenden über Nachrichten aus aller Welt zu bleiben.