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Estland: Sexskandal um ehemaligen Premierminister Taavi Rõivas

Ehemaliger Premierminister Taavi RõivasEhemaliger Premierminister Taavi RõivasDie Tageszeitung „Eesti Päevaleht“ („Estnisches Tagblatt“) berichtete am 12. Oktober von einem handfesten Sexskandal in Kuala Lumpur, in den auch Taavi Rõivas verwickelt war.

Der ehemalige estnische Premierminister führte auf einer Asien-Rundreise eine Wirtschaftsdelegation, die am 21. September unter anderem Malaysia besuchte. Seine Ehefrau Luisa (das Paar hatte am 19. August geheiratet) zahlte ihre Reise selbst. Während ihr Mann in Kuala Lumpur unterwegs war, machte die zweifache Mutter Urlaub auf Bali.

Nach dem offiziellen Teil des Besuches trafen sich einige Delegationsmitglieder mit in Malaysia lebenden Landsleuten – fast alle waren Frauen – in einer Bar, wo auch getanzt und reichlich Alkohol konsumiert wurde.

Eines der Delegationsmitglieder hatte eine angekleidete Frau, die er zuvor schon mit einem Drink übergossen hatte, samt ihrer Tasche, in der sich auch ihr Smartphone und Geld befand, in ein Wasserbecken gestoßen. Den entstandenen materiellen Schaden musste er am nächsten Tag begleichen. Der Mann sei zudem aus dem Wirtschaftsprogramm ausgeschlossen worden.

Eine andere Frau hat dagegen Taavi Rõivas sexuelle Belästigung vorgeworfen. Der Familienvater soll nicht betrunken gewesen sein, als er eine in Malaysia lebende Estin von der Tanzfläche ins Dunkel zwischen den Barkühlschränken gezogen hatte und sie dort zu küssen versuchte. Der Politiker der wirtschaftsliberalen Reformpartei hatte angeblich trotz ihres „Nein!“ auch versucht, das Kleid der Dame hochzuziehen, und hatte sie dabei in Intimbereich begrapschst.

Taavi Rõivas hat sich gestern bei denen, die sich in Kuala Lumpur „nicht wohl gefühlt haben“, öffentlich entschuldigt und ist vom Posten des Vizepräsidenten des Parlamentes zurückgetreten. Er bestreitet allerdings weiterhin „die Küsse“ und „sexuelle Bedrängung“. „Ich hätte kein Problem zuzugeben, wenn ich jemanden geküsst hätte. /.../ Ich bin bereit zu akzeptieren, dass die Frau sich in meiner Gesellschaft nicht wohl gefühlt hat,“ erklärte Rõivas der Tageszeitung „Postimees“. „Wenn ein Mann verheiratet ist, sollte er womöglich mit fremden Frauen überhaupt nicht tanzen. Ich bin kein Heiliger. Wenn jemand mir zweieinhalb Wochen später mitteilt, dass ich sie verletzt hätte, dann entschuldige ich mich selbstverständlich auch öffentlich,“ so der Familienvater weiter. Seine Ehefrau Luisa soll schockiert und wütend gewesen sein, so Rõivas. Doch sie hatte ihm geglaubt und verziehen.

Am 15. November finden in Estland Kommunalwahlen statt. Rõivas kandidiert in Tallinn auf den Posten des Oberbürgermeisters. Ob er nach dem Skandal, der in estnischen Zeitungen nun genüsslich durchleuchtet wird, seine Ambitionen mäßigt, wird sich zeigen. (asie/tmich)

Pressefoto

www.taaviroivas.ee